Blutungen in der Schwangerschaft

Blutungen in der Schwangerschaft
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In der Schwangerschaft sind Blutungen häufiger, als man glaubt. Glücklicherweise stellen sie äußerst selten eine echte Gefahr für Mutter und Baby dar.

Sehen wir "rot", schrillen die Alarmglocken - ein lebenswichtiger Mechanismus, um eine mögliche Gefahr rasch zu erkennen. Treten in der Schwangerschaft Blutungen auf, wie es erstaunlich häufig der Fall ist, muss der Ursache auf den Grund gegangen werden. Blutungen gehören immer ärztlich abgeklärt! Diagnostisch wegweisend ist das gleichzeitige Auftreten von Wehen oder Schmerzen gemeinsam mit einer Blutung. Ebenso wichtigen Hinweis für die Gefahreneinschätzung liefern Intensität und Farbe. Fließt hellrotes Blut, dann handelt es sich um frisches Blut; das bedeutet, dass ein akutes Geschehen im Gange ist. Dunkelrotes oder bräunliches Blut hingegen weist meist auf bereits abgeschlossene Vorgänge hin.

Arzt im Gespräch mit Paar
Foto: Shutterstock/Goodluz

Zeichen setzen

Bereits im frühesten Stadium der Schwangerschaft können schwache Blutungen auftreten - das erste Mal, wenn das befruchtete Ei versucht, sich in der Gebärmutter einzubetten. Frauen, die zu diesem Zeitpunkt eine Einnistungsblutung bemerken, werden wohl wenige Wochen später mit einem positiven Schwangerschaftstest überrascht. Setzt sich der Mutterkuchen an der Gebärmutterwand fest, wird dies manchmal ebenfalls von leichten Blutungen begleitet. Da der Zeitpunkt dafür oft mit jenem der ausständigen Menstruation zusammenfällt, kann diese Blutung bei der Frau zur Verwirrung oder Unsicherheit führen.

Prinzip "Alles oder nichts"

Das Alles-oder-nichts-Prinzip ist ein strenger Wächter der Natur. Kommt es nämlich in der ersten Phase der Zellteilung zu Problemen, entwickelt sich das Zellhäufchen nicht mehr weiter und geht nahezu unbemerkt mit einer menstruationsstarken Blutung ab. In vielen Fällen haben Frauen noch nicht einmal bemerkt, dass sie schwanger waren. Eine Fehlgeburt zu einem späteren Zeitpunkt wird dagegen von heftigen Unterbauchschmerzen begleitet. Die Ursache dafür bleibt meist unklar. Das glücklose Ende der Schwangerschaft ist ein zufälliges und spontanes Ereignis, das aber fast immer eine traurige Leere hinterlässt.

Schmerzen als Indiz

Schmerzlose leichte Schmierblutungen zu Beginn einer Schwangerschaft kommen bei etwa einem Viertel der Schwangeren vor. Grund ist häufig ein zu niedriger Progesteronspiegel. Um die Schwangerschaft bestmöglich zu schützen, kann in solchen Fällen ein synthetisches Gelbkörperhormon eingenommen werden. Im ersten Trimenon sind leichte Blutungen also meist nichts Ungewöhnliches. Entscheidend ist in jedem Fall, ob sie mit Schmerzen einhergehen. Der Frauenarzt kann mittels Ultraschalluntersuchung die mögliche Ursache herausfinden. Dabei gilt es die schwerwiegende Komplikation einer Eileiterschwangerschaft mit Sicherheit auszuschließen. Zwar haben "verirrte" befruchtete Eizellen, die sich im Eileiter einzunisten versuchen, zu keinem Zeitpunkt eine Überlebenschance. Sprengt das wachsende Ei im schlimmsten Fall den Eileiter, kann es aber zu kritischen inneren Blutungen bei der Frau kommen.

Placenta praevia

Im fortschreitenden Verlauf der Schwangerschaft kommen Blutungen wesentlich seltener vor. Dann können sie aber aufgrund ihrer Stärke gefährlicher für Mutter und Kind sein. Die meisten Blutungen in der zweiten Schwangerschaftshälfte gehen vom Mutterkuchen aus. Bei einer fehlerhaften Lage des Mutterkuchens - man spricht von einer "Placenta praevia" - überdeckt der Mutterkuchen den Gebärmutterhals ganz oder nur teilweise. Schmerzlose und immer wiederkehrende Blutungen sind dann recht häufig. Durch das Wachstum der Gebärmutter kann sich der Sitz des Mutterkuchens im Laufe der Schwangerschaft günstiger verändern und den späteren Geburtsweg für das Baby doch noch freimachen. Passiert das nicht, muss das Baby schließlich mit einem Kaiserschnitt auf die Welt gebracht werden.

Alarmstufe "rot"

Die Plazenta muss nicht immer ungünstig liegen, um Probleme zu verursachen. Bei einer normal sitzenden Plazenta kann es - zum Beispiel durch einen Sturz - zu einer vorzeitigen Plazentalösung kommen. Sie ist meist mit starken Schmerzen und viel Blutverlust verbunden. Das Fatale daran: Nach außen dringen oft nur geringe Mengen Blutes. Es fließt in den Bauchraum der Mutter, und die voranschreitende Ablösung des Mutterkuchens verringert nach und nach die Versorgung des Kindes. "Alarmstufe rot" heißt es auch bei Blutungen nach dem Blasensprung, wie sie etwa bei einer Sonderform des Nabelschnuransatzes vorkommen. Blutungen in dieser Phase der Geburt sind alarmierend und machen erforderlich, nun sehr rasch ins Krankenhaus zu fahren. Zur Erinnerung: Frisches, hellrotes Blut ist ein Alarmsignal und rasches Handeln unabdingbar.

Die "erfreulichste" Form der Blutung

Völlig unbekümmert kann die Schwangerschaft zu einer leidenschaftlichen Zeit für Sex und Zärtlichkeit werden. Kommt es nach dem Geschlechtsverkehr zu einer leichten Blutung, so muss man(n) keine Angst haben, dem Baby oder der Liebsten wehgetan zu haben. Eine leichte Blutung resultiert in diesem Fall von dem gut durchbluteten Gewebe in der Scheide und am äußeren Muttermund. Kontaktblutungen nach dem Geschlechtsverkehr oder auch nach einer vaginalen Untersuchung sind in der Schwangerschaft etwas ganz Normales. Und schließlich last but noch least: die Zeichnungsblutung. Mit blutig-schleimigen Abgängen kündigt sie die bevorstehende Geburt an. Es ist so weit!