"Darf ich was naschen?"

"Darf ich was naschen?"
Foto: shutterstock/Boris Bulychev


Ab einem gewissen Alter lässt es sich nicht vermeiden, dass Kinder damit in Berührung kommen. Sei es, durch Mitbringsel von Freunden und Verwandten, durch Verführungen aus Werbung und Angebot oder spätestens in Kindergarten oder Schule.

Gerne kommen wir den Wünschen der Kinder nach, doch oft wird in uns die Frage laut, wie viel Naschzeug für ein Kind denn akzeptabel ist.


Wie viel ist zu viel? 

Als Faustregel gilt: eine (Kinder-)Hand voll Süßigkeiten pro Tag ist absolut in Ordnung! Was genau sich die Kinder aussuchen, sollte im Großen und Ganzen Ihnen überlassen werden. Ob das nun die Gummibären, die Schokolade oder im Sommer das Eis ist, bleibt Geschmacksfrage und die ist bekanntlich sehr individuell.


Mit einrechnen sollte man allerdings auch Kuchen, süße Getränke, klebrige Frühstücksflakes usw.
Wenn Sie den Tag so durchdenken, werden Sie merken, wie schnell die empfohlene Menge erreicht bzw. überschritten ist!


Besonders sehr schlanke Kinder hanteln sich aber oft mit Süßigkeiten über den Tag und kommen so auf kaum eine "normale" Mahlzeit. Obwohl sie bezüglich Gewicht ein Plus an Kalorien bräuchten, fehlt es an wichtigen Nahrungsmitteln, die durch übermäßiges Naschen zu kurz kommen.

 

Grundlage aller Süßigkeiten

... ist der Zucker.

Der bei uns gebräuchlichste Zucker ist die Saccharose, auch Haushaltszucker oder Fabrikzucker genannt. Er wird aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr gewonnen.


Wer auf Produkten Zucker in der Zutatenliste aufgeführt findet, könnte sich darauf seinen eigenen Reim machen: Wenn er weit vorne steht, ist viel drin - wenig, wenn er zum Schluss angeführt ist. Nun wird es uns Konsumenten nicht immer leicht gemacht und der enthaltene Zucker als Traubenzucker oder Dextrose, Fruchtzucker oder Fructose, Glukose, Glukosesirup, Maltodextrin, Malzzucker bzw. Maltose aufgelistet.


Aus dieser Sicht betrachtet, wird auch so mancher - vermeintlich gesunde - Müsliriegel zur Zuckerfalle.

 

Warum hat der Zucker ein so schlechtes Image?

Dass zuckerreiche Lebensmittel den Kariesbefall steigern, ist allgemein bekannt. Aber auch die - für unser Immunsystem so wichtige - Darmflora wird aus dem Gleichgewicht gebracht und erhöht so die Infektanfälligkeit.


Zucker liefert keine Vitamine, keine Ballaststoffe und nur Spuren an Mineralstoffen, aber fast 400 kcal in 100g. Daher stammt der Ausdruck, Zucker enthält "leere Kalorien".


Zuckerschübe lassen unseren Blutzuckerspiegel Hochschaubahn fahren –-mit allen damit verbundenen Nebenwirkungen. Wurde gerade "nachgefüllt", steigt zwar die Konzentration, aber auch die Unruhe bis hin zur Überaktivität. Kurze Zeit darauf kommt die Talfahrt - also die leere, aufgebrauchte Phase und äußert sich in Reizbarkeit, schlechter Laune und erneutem Hunger nach Süßem.

 

Zuckerersatz

Diese Probleme sind nicht neu und so wird immer stärker nach Alternativen zum Zucker gesucht.

Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit, Lactit, Mannit, Isomalt, Xylit und Maltit sind NICHT kalorienfrei und bewirken aber einer bestimmten Menge Durchfall, wobei Kinder wesentlich empfindlicher sind.


Zugelassene Süßstoffe wie Cyclamat, Saccharin, Aspartam, Acesulfam-K, Thaumatin und Neohesperidin liefern wenig bis keine Kalorien und sind fast immer synthetisch hergestellt. Die WHO hat Tages-Grenzwerte festgelegt, welche aber für Erwachsene bestimmt sind und Kinder nicht berücksichtigen. 


Da der süße Geschmack in jedem Fall erhalten bleibt, fördern sie weiterhin die "süße Linie". Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe sollten in der Kinderernährung möglichst vermieden werden.


Zu den natürlichen Süßungsmittel zählt brauner Zucker, Honig, Ahornsirup, Fruchtsüße, Zuckerrübensirup, Agaven-, Apfel- oder Birnendicksaft. Diese sind zwar teilweise weniger stark verarbeitet als normaler Haushaltszucker, auf die Zähne haben alle Arten die gleichen Auswirkungen. Der vermeintliche Gesundheitswert ist auch lang nicht so groß, wie allgemein angenommen.

Sinnvoller Umgang mit Süßigkeiten

Einem gesunden Kind Süßigkeiten total zu verbieten ist jedoch absolut nicht notwendig. Eher verführt ein vorgeschriebener Entzug zur heimlichen Bedürfnisbefriedigung. Eine partnerschaftliche Lösung muss also gefunden werden.  Überprüfen Sie zuerst Ihr eigenes Naschverhalten, um auszuschließen, dass Ihr Kind nur das nachmacht, was Sie ihm vormachen.


Was nicht im Haus ist, kann nicht gegessen werden. Deshalb tut es der ganzen Familie gut, wenn nicht "für alle Fälle" eine Tafel Schokolade gekauft wird. Vielleicht sind zwischen den großen Mahlzeiten die Zeitabstände zu lang. Kleine Imbisse beugen da gut vor: Ein bunter Obstteller, Joghurt mit Früchten, Butterbrot etc.


Wie sieht es mit möglicher Langeweile aus? Wenn sie ein Grund sein könnte, überlegen Sie mit Ihrem Kind, was man außer zu naschen noch (vielleicht sogar gemeinsam) machen könnte. Überlegen Sie, ob in Ihrer Familie Süßes als Trostpflaster, bei Schwierigkeiten oder als Belohnung für besondere Leistungen (z.B. in der Schule) missbraucht wird. Wenn Sie Lob und Tadel mit Süßigkeiten erteilen, konditionieren Sie Ihr Kind mit dieser süßen Art von Problemlösung für sein späteres Leben.

 

Süßigkeiten-Rituale

Kinder lieben Rituale. Daher macht es Sinn, eine bestimmte Naschzeit fest zu legen.Idealerweise ist diese Zeit gleich nach dem Mittagessen, als Nachspeise. Das ist nicht nur zur Kariesvorsorge am sinnvollsten, weil die Konzentration an der Zahnoberfläche verhältnismäßig gering bleibt. Auch ist das Verlangen nach Süßem nach einer vollen Mahlzeit nicht so groß wie zwischendurch.


An besonderen Tagen wie Geburtstag, Nikolaus, Weihnachten etc. darf es ausnahmsweise auch mal mehr sein.
Je nach Alter werden Tages- oder Wochenrationen festgelegt. Ist diese eiserne Reserve aufgegessen, gibt es für den vereinbarten Zeitraum keinen Nachschub. 


Süßigkeiten nicht offen herumliegen lassen, besser in der "Naschlade" oder "Sternenkiste" aufbewahren.
Süße Getränke einschränken. Sie sind keine Durstlöscher, sondern ebenfalls Naschereien.


Das Umfeld muss mitmachen

Am wirksamsten sind solche Vereinbarungen, wenn die ganze Familie an einem Strang zieht. Scheuen Sie sich auch nicht vor einem Gespräch mit den Großeltern, Verwandten und Nachbarn, die es natürlich gut meinen und den Kindern eine Freude machen wollen. Kalorienfreie Alternativen als Geschenk oder Mitbringsel sind z.B. Luftballons, Buntstifte, Pixibücher, Aufkleber, Flummis etc.


Ein vielfältiges kulinarisches Angebot und ein sensibles Training der Geschmacksknospen sind die beste Grundlage, die Sie Ihrem Kind mitgeben können. So werden auch Süßigkeiten nur als das gesehen, was es eigentlich sein sollte: etwas Leckeres, das es hin und wieder als i-Tüpfelchen gibt, aber mehr auch nicht.


Stimmt es, dass ...

... Süßhunger angeboren ist?

Jein! Man kann in gewissem Maße schon von einer angeborenen Schwäche für Süß ausgehen, denn Fruchtwasser und Muttermilch sind leicht süß. Die spätere Sucht auf Süß entwickelt sich aber erst dadurch, dass süße Babykost, süßer Tee, süße Kekse usw. diese natürliche Vorliebe ständig mitfüttern. Gerade in der Babyernährung geht es auch ohne Zucker.

 

... Traubenzucker für Kinder gesund ist?
Nein, Traubenzucker bietet für Kinder keine besonderen Vorteile. Seine Eigenschaft, dass er schnelle Energie liefert, weil er schnell ins Blut gelangt, kann bei sportlichen Höchstleistungen von Nutzen sein. Für Schule und Spielen ist Traubenzucker keine sinnvolle Unterstützung, sondern gleichfalls wie anderer Zucker auch nur Lieferant leerer Kalorien.

 

... Trockenfrüchte ideal zum Naschen sind?
Durch die Trocknung bleiben die Mineralstoffe erhalten, die Vitamine gehen jedoch verloren. Oft sind Trockenfrüchte aber mit einer Zuckerschicht versehen. Achten Sie deshalb auf die Zutatenliste. Ungezuckert sind sie sicherlich eine gute Alternative zu Süßigkeiten.

 

... das Fruchtsäfte besonders gesund sind?
Wenn Sie pur getrunken werden, sind sie als Obstersatz und nicht als Getränk anzusehen. Mit den ganzen Früchten können Sie trotzdem nur begrenzt mithalten, da die Fasern fehlen. Sehr stark verdünnt sind sie aber ein guter Durstlöscher bei Spiel und Sport oder an heißen Sommertagen.