Diagnose: Babyblues

Diagnose: Babyblues
Foto: shutterstock/HTeam


In so vielen Büchern steht geschrieben, wie glücklich  Mütter sich nach der Geburt fühlen und wie sie sich zu verhalten haben. Niemand verrät ihnen jedoch, dass es  in der Praxis oft anders aussieht.  

 

Schwangerschaftshormone verschwinden

Der Mutterkuchen hat die Aufgabe das Kind mit Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen. Er ist aber auch das Organ, das für die Bildung des Schwangerschaftshormons zuständig ist. Nach der Geburt des Mutterkuchens werden somit keine Schwangerschaftshormone  mehr produziert. Es kreisen nur noch Restmengen im Blut. Nach etwa drei Tagen kommt ein regelrechter Absturz, die Mutter fällt in ein Stimmungstief.

Doch nicht nur die Hormone sind schuld, dass die Mutter zu diesem Zeitpunkt empfindlich und gereizt reagiert und die Tränen reichlich fließen.


Weitere Faktoren

  • Die Naht nach einem Dammschnitt, Dammriss oder einem Kaiserschnitt schmerzt . Die Frau empfindet  in dieser Situation alles viel stärker als an anderen Tagen.
  • Müdigkeit und Erschöpfung durch die Geburt und den Schlafmangel machen sich bemerkbar.  Das Kind will alle 2-4 Stunden Nahrung, die Mutter kann von Glück sprechen wenn sie sich ab und zu ein paar Stunden ohne Unterbrechung ausruhen kann.  Selbst wenn das eigene Kind schläft, kommt die Visite, das Baby der Nachbarin schreit oder es gibt Besuch.
  • Auch wenn sich die Mutter das Kind noch so sehr gewünscht haben mag, nun wird ihr bewusst, dass sich ab nun alles ändern wird: fehlende Freizeit, die Veränderung in der Partnerschaft, der Freundeskreis, finanzielle Einbußen und Abhängigkeit vom Partner als Alleinverdiener u.v.m.
  • Die Brüste schmerzen durch den Milcheinschuss bereits bei leichter Berührung. Das Anlegen tut weh und klappt eventuell noch nicht so ganz.
  • Dazu kommt die Unsicherheit, ob man eine gute Mutter sein wird und ob sich das "Muttersein" jemals besser anfühlen wird als jetzt.
  • Zu allem Übel können beim Baby nun die Neugeborenengelbsucht oder Blähungen auftreten.  Mütter verzweifeln, wenn sie das Gefühl haben, dass es ihrem Baby nicht gut geht.

 

Was braucht frau damit es ihr besser geht

  • Ruhe, Ruhe und Ruhe.  Der Partner kann hier versuchen, den Besucheransturm auf ein paar Wochen nach der Geburt zu verlegen, wenn sich bei Mutter und Kind alles weitgehend eingespielt hat.
  • Liebevolle Zuwendung durch den Partner oder die beste Freundin. Es hilft einmal in den Arm genommen zu werden und den Tränen freien Lauf lassen zu können.
  • Geduld und Verständnis.  Zuhören, da sein  und Mut zusprechen fühlen sich für eine Frau in dieser Situation wunderbar an.
  • Kompetente Betreuung durch das Pflegepersonal. Es nützt schon zu wissen, dass fast jede dritte Mutter (60-80%) vom Babyblues betroffen ist und diese Heultage völlig normal, wenn auch unterschiedlich ausgeprägt sind. Der Babyblues ist keine Krankheit und muss nicht behandelt werden. Im Allgemeinen verschwindet er nach ein paar Tagen wieder von ganz alleine.

 

Auf die Zeit nach dem Tag X vorbereiten

  • Über Sorgen und eventuelle Belastungen sprechen.
  • Sich über kommende Veränderungen durch das Baby Gedanken machen um sich besser darauf einstellen und organisieren zu können.
  • Unterstützung für die erste Zeit nach der Geburt planen.

 

Wenn das psychische Tief länger als drei Wochen anhält, Suizidgedanken dazukommen oder die Frau  sich unfähig fühlt, das Baby zu versorgen, kann es sich um eine postpartale Depression handeln. Scheuen Sie sich nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen, postpartale Depressionen sind keine Seltenheit und können sehr gut behandelt werden!