Frühling - Heuschnupfenzeit

Frühling - Heuschnupfenzeit
Foto: Panthermedia/Kzenon / Author: Elisabeth Sorantin


Es ist wieder so weit: rinnende Nase, kratziger Hals , Atemnot, Müdigkeit, und das für Monate... Die Heuschnupfensaison hat begonnen! Ergebenes Leiden ist nicht angeraten, Pillenschlucken muss aber auch nicht sein. Wie das geht? NEW MOM über eine alternative Methode, dem Heuschnupfenelend zu Leibe zu rücken.

In unserem Blut patrouillieren unablässig Heerscharen von Abwehrzellen, um uns gegen Eindringlinge aller Arten zu schützen. Bakterien, Viren, Sporen, Giftstoffe: Sie alle werden in Arbeitsteilung aufgespürt, identifiziert, isoliert und zu guter Letzt aufgefressen oder abtransportiert. Außerdem kommt jeder Eindringling auf eine schwarze Liste - so ist er beim nächsten Kontaktversuch bereits amtsbekannt und kann sofort von maßgeschneiderten Spezialisten, der spezifischen Abwehr, unschädlich gemacht werden. In den meisten Fällen läuft das alles ganz unbemerkt ab.
Ist das Immunsystem aber unterbeschäftigt oder übereifrig, kann es schon einmal passieren, dass es Freund und Feind verwechselt: Im Fall von Heuschnupfen beginnt alles damit, dass die körpereigene Fremdenpolizei ein unschuldiges Pollenstäubchen als bösen Feind definiert und für alle Zeiten vormerkt.


Wie Allergien entstehen

Läuft beim Erstkontakt noch alles gesittet ab, schaltet der Körper beim nächsten Kontakt sofort auf Alarmstufe rot. Nun werden eiligst Spezialkiller nachproduziert und Hilfsmaßnahmen eingeleitet: Botenstoffe wie Histamin sorgen für verbesserte Durchblutung, damit die Killer schneller an den Ort des Geschehens transportiert werden können. Niesen und Sekretbildung sollen die Störenfriede aus der Nase befördern. Bei seinen Abwehrmaßnahmen nimmt der Körper keinerlei Rücksicht auf Befindlichkeiten: Die Betroffenen fühlen sich grottenschlecht und sehen auch so aus.

Folgen der Allergie

Geduldiges Leiden ist die falsche Strategie. Die Pollen verschwinden nicht, und die allergischen Reaktionen können künftig heftiger ausfallen. Was mit lästigem Niesen begonnen hat, wird möglicherweise ein Stockwerk tiefer zum allergischen Asthma. Nicht gut! Denn nun erweitert sich die Symptompalette noch um Husten und Atemnot: Die Bronchien entzünden und verkrampfen sich, zu wenig Sauerstoff im Blut kann zu verminderter Leistungsfähigkeit führen.

Was kann man tun? 

Am Anfang steht die Diagnosesicherung. Mittels Pricktest, Provokationstest oder Blutuntersuchung lässt sich nachweisen, wen genau das Immunsystem als Schurken verdächtigt: Gräserpollen, Erlenpollen, Haselpollen, Ragweedpollen und und und - die Liste ist leider sehr lang.
Nun heißt es dem Feind zu Leibe zu rücken. Die Schulmedizin versucht die Entzündungssymptome mit Histamin- oder Entzündungshemmern zu dämpfen. Die Hyposensibilisierungstherapie soll das Immunsystem Schritt für Schritt dazu bringen, den ausgemachten Feind doch noch einigermaßen zu tolerieren. Richtiges Timing - sprich: die Behandlung vor dem Pollenflug - und Ausdauer sind gefragt. Aber: Muss das sein? Oder gibt es eine wirksame Alternative?

Mesotherapie

1952 entwickelte der französische Arzt Michael Pistor eine neue Methode. Sein Credo: wenig, selten, und das am richtigen Ort. Mesotherapie - ein Mix aus Akupunktur, Neural- und Arzneitherapie - wird vor allem in der Schmerzbehandlung eingesetzt. Ein speziell auf die Person und das Problem abgestimmter Wirkstoffmix wird dabei mit ganz feinen Nadeln lokal in Haut und Bindegewebe injiziert. Nun wissen wir auch, warum das Ganze die Bezeichnung "Mesotherapie" trägt: Denn Haut und Bindegewebe entstehen aus dem dritten Keimblatt, dem Mesoderm. Dank der lokalen Anwendung kommt man jedenfalls mit sehr geringer Dosis aus. Außerdem sind die Wirkstoffe sogleich am Ort des Geschehens, ohne den Blutkreislauf zu belasten. Beides verringert die Wahrscheinlichkeit, dass Nebenwirkungen auftreten. Die sanfte Nadelung soll das Gewebe dazu bringen, Endorphine und entzündungshemmende Substanzen freizusetzen. Von den stimulierten Reflexpunkten wird eine ausgleichende Wirkung auf das Gesamtsystem erwartet. 

Mikrovakzination

Barbara Stadler, Allgemeinmedizinerin in Wien, weiß aus langjähriger Erfahrung, dass sich Mesotherapie auch für die Behandlung von Heuschnupfen eignet. In diesem Fall spricht man von "Mikrovakzination": Mit einem mit Kochsalzlösung verdünnten schulmedizinischen Impfstoff gegen Blasenentzündungen (Strovac) wird über den Lymphknoten von Hals, Leber und Milz gequaddelt. Der Impfstoff enthält abgetötete Keime und bringt die Abwehrzellen wieder auf die richtige Fährte: "Achtung, so schaut ein Feind aus! Lasst die Pollen in Ruhe, die tun nix!" Die Prozedur wird vier Mal im Abstand von zehn bis 14 Tagen wiederholt und kann das ganze Jahr über begonnen werden. Die Erstbehandlung kostet ca. 90 Euro, die folgenden Sitzungen jeweils ca. 70 Euro. 

Auch für die Kleinen! 

Hilft die Mikrovakzination auch in schweren Fällen? Durchaus möglich. So soll bisweilen schon nach dem zweiten Termin Besserung festzustellen sein. Allgemeinmedizinerin Stadler hat dann immer Mühe, ihre Patienten dazu anzuhalten, auch weiterhin den Asthmaspray bei sich zu tragen, um gegen etwaige Rückfälle gewappnet zu sein. Mikrovakzination kann übrigens auch bei Kleinkindern angewandt werden - mit erleichterten Verfahren. Dr. Stadler: "Bei Kleinkindern reicht es völlig aus, beispielsweise nur einen Oberarm zu quaddeln".
Einen Versuch ist die Prozedur allemal wert. Gesundheit!


Ragweed - das stärkste Pflanzenallergen


Ambrosia artemisiifolia - auch bekannt als Aufrechtes Traubenkraut, Beifuß Ambrosie oder Ragweed - ist das stärkste bekannte Pflanzenallergen. Aus Nordamerika eingeschleppt, breitet sich das Unkraut so rasant in Europa aus, dass es nur noch zurückgedrängt, aber nicht mehr ausgerottet werden kann. Die Hauptverbreitungswege des Teufelskrautes: Saatgut, Futtermittel, Pfanzenballen, Heimtierfutter (Vogelfutter), Humusdeponien, Biomasseverarbeitung, Fahrzeuge, Eisenbahn und Straßennetz (Bankette!), Straßenpflegemaschinen, Überschwemmungen.
An sich ist die Pflanze ja einjährig, sie produziert aber bis zu 60.000 Samen ... und die bleiben 40 Jahre lang keimfähig. Ragweed blüht von Juli bis Oktober, die Hauptblütezeit fällt in die Monate August und September. Das Fatale: Er produziert extrem viele Pollen. Zwischen 100 Millionen und drei Milliarden sind es pro Pflanze. Und die können über weite Strecken verschleppt werden.
Da die Pollenkörner extrem klein sind, gelangen sie leicht in die Atemwege. Vor allem aber sind sie extrem allergen: In Ungarn etwa sind bereits 80 Prozent, in Ostösterreich derzeit 30 Prozent der Bevölkerung gegen Ragweed allergisch; ein Drittel von ihnen entwickelt allergisches Asthma. Ragweed belastet dadurch das österreichische Gesundheitsystem mit rund 88 Millionen Euro pro Jahr. 


So sieht Ragweed aus: Ragweed

Foto: Panthermedia/Elenathewise


Was Sie tun können

Weg damit: Einzelpflanzen immer mit der Wurzel ausreißen. Dabei unbedingt Handschuhe und in der Blütezeit Mundschutz tragen!
Ab in den Müll: Vor der Blütezeit (s.o.) gilt es den Ragweed durch Kompostieren oder im Biomüll unschädlich zu machen. Während und nach der Blütezeit ist nachhaltige Vernichtung angesagt: Verbrennen Sie die Pflanzen oder führen Sie sie professionellen Biomasse-Verwertungsanlagen zu!



Weitere empfohlene Artikel: