Wann mit dem Kind zum Arzt gehen?

Wann mit dem Kind zum Arzt gehen?
Foto: PantherMedia/zurijeta / Author: Roswitha Wurm


Gesundheitliche Probleme bei Kindern richtig einschätzen.

Hohes Fieber, ein Bienenstich, Verbrennungen oder Pusteln, die auf eine möglicherweise ansteckende Krankheit hindeuten: Nicht immer ist es für Eltern leicht einschätzbar, wann ein Arztbesuch angezeigt ist. Ein neues Buch des Kinder- und Jugendfacharztes Dr. Romanus Röhnelt gibt nun eine über 500 Seiten starke Orientierungshilfe für verunsicherte Eltern ...

Als vierfacher Familienvater und Kinderfacharzt kennt Dr. Romanus Röhnelt die Fragen und Sorgen junger Eltern nur allzu gut. In seinem umfassenden und leicht lesbaren Nachschlagewerk "Kindergesundheit" gibt er New Moms und Dads brauchbare Tipps, um den gesundheitlichen Zustand von Babys, Klein- und Schulkindern einzuschätzen.

FIEBER

Fieber ist keine Krankheit, sondern eine Reaktion des Körpers und wirkt heilungsfördernd. Wichtig ist es, dem Kind ausreichend zu trinken zu geben und es im Bett liegend sein Fieber "verschlafen" zu lassen. Hat es eine fiebrige Erkältung, helfen Fieberzäpfchen oder Wadenwickel, das Fieber zu senken. Steigt das Fieber trotz aller Maßnahmen auf 40 Grad und hält sich hartnäckig, gilt es aber einen Kinderarzt beizuziehen. Bei Auftreten eines Fieberkrampfes sollten Eltern - so gut es geht - Ruhe bewahren, das Kind in stabile Seitenlage bringen und, wenn der Fieberkrampf länger als drei Minuten andauert oder wiederkehrt, die Rettung rufen.

EISKALTE HÄNDCHEN UND FÜSSCHEN

Manche Babys haben trotz warmer Söckchen eiskalte Füßchen oder Händchen, die aber gleichzeitig schwitzen. Wenn der restliche Körper warm ist, stellt das in der Regel kein Problem dar. Das Baby noch wärmer einzupacken, macht keinen Sinn und kann sogar gefährlich sein. Das Kind ist nicht erkältet und muss nicht zum Kinderarzt gebracht werden.


STURZ AUF DEN KOPF

Fällt das Kind auf den Kopf, erschrecken Eltern meist sehr. Zum Glück passiert dabei meist nichts Schlimmes, da Kinder klein und leicht und die Knochen und Bänder noch sehr weich und dehnbar sind. Unbedingt einen Arzt aufsuchen sollte man:
  • wenn sich der Unfall mit großer Schnelligkeit abgespielt hat,
  • bei - und sei es auch nur ganz kurzer, oft kaum wahrnehmbarer - Bewusstlosigkeit des Kindes,
  • bei mehrmaligem Erbrechen (nach sechs Stunden erneut),
  • bei Bewusstseinstrübung,
  • ungleich großen Pupillen sowie
  • bei "komischem" Verhalten des Kindes.
Für die ersten 24 Stunden nach dem Sturz sollte das Kind unter Beobachtung eines Erwachsenen bleiben.

VERGIFTUNGEN

Dass Medikamente, Haushaltsmittel und Pflanzenteile versehentlich verschluckt werden, kommt gerade im Kleinkindalter häufig vor. In der Regel verläuft die Sache glimpflich.
Wann sollte jedoch umgehend ein Arzt aufgesucht werden? Im Zweifelsfall immer zunächst die Vergiftungszentrale anrufen. Erbrechen lassen darf man ein Kind nur, wenn es bei Bewusstsein ist und man sicher ist, dass es keine ätzenden (z. B. Putzmittel), schäumenden (z. B. Spülmittel) oder flüchtigen Substanzen (z. B. Benzin oder Lampenöl) verschluckt hat. Wenn das Kind eine Bewusstseinstrübung hat, sofort in Seitenlage bringen und den Notarzt rufen.


VERBRENNUNGEN

Brandverletzungen bei Säuglingen sollten immer einen Arztbesuch zur Folge haben.
Erste-Hilfe-Maßnahme bei kindlichen Brandverletzungen jeder Art:
  • Kleider entfernen, soweit sie nicht mit der Haut verklebt sind,
  • verbrannte Haut kühlen (mit lauwarmem Wasser!),
  • Kind nicht frieren lassen.
Besteht eine offene und nässende Wunde, dann diese mit einer sauberen, nicht klebenden Wundauflage bedecken und das Kind zum Arzt bringen. Augenverletzungen bei Brandwunden - aber auch wenn sie andere Ursachen haben - immer einem Arzt zeigen.

PSEUDOKRUPP

Treten bellender Husten und Atemnot bei einem Kind erstmalig auf, sollten Eltern die Rettung verständigen und bis zu deren Eintreffen das Kind in eine Umgebung mit hoher Luftfeuchtigkeit bringen. Dr. Röhnelt empfiehlt dafür etwa, im Badezimmer die Dusche aufzudrehen, das Kind aber nicht darunterzustellen. Nach anderen Erkenntnissen hat sich vor allem Kälte bewährt, die abschwellende Wirkung hat: das Kind fest einpacken und in die kalte Nachtluft bringen oder sich mit ihm vor dem offenen Kühlschrank platzieren. Wichtig ist in jedem Fall, Ruhe zu bewahren und dem Kind vorzuatmen.


BIENEN- ODER WESPENSTICH

Bei einem Bienen- oder Wespenstich Ruhe ausstrahlen, das Kind in eine ruhige Umgebung bringen, aufrecht hinsetzen, den Stich mit kaltem Umschlag kühlen. Hat das Kind eine Schwellung im Halsbereich oder Atemprobleme, alarmieren Sie umgehend die Rettung.


VERMUTETE ANSTECKENDE KINDERKRANKHEITEN

Deuten Hautausschläge auf eine ansteckende Kinderkrankheit hin, dann sollte ebenfalls ein Kinderarzt kontaktiert und vorab über den Verdacht informiert werden. So kommt das Kind in der Praxis gleich ins Quarantänezimmer zur Untersuchung, um die Ansteckung weiterer kleiner Patienten zu vermeiden.

Wer unsicher ist, ob ein Kind die Hilfe des Kinderarztes braucht: Lieber einmal zu viel in die Sprechstunde als eine Krankheit des Kindes übersehen, empfiehlt der engagierte Kinderarzt ... um gleichzeitig zu warnen: Eltern sollten nicht ausgehend von den beobachteten Symptomen im Internet nach möglichen Krankheiten googeln. Das hat meist nur eine äußerst ungesunde Panik zur Folge!
Letztlich sind es Mama und Papa, die ihr Kind am besten kennen sollten. Ärzte und Sanitäter schätzen Informationen und die sachliche Einschätzung der Eltern. Die medizinische Hilfestellung kann dann im Ernstfall viel schneller und hilfreicher erfolgen - zum Wohl des kleinen Patienten!

Literatur:
KINDERGESUNDHEIT
Wie Sie Krankheiten erkennen. Was Sie selbst tun können.
von Dr. med. Romanus Röhnelt
TRIAS Verlag, ISBN 978-3-432-10141-3
Euro 30,90