Lageanomalien

Lageanomalien
Foto: Steve Lovegrove/Shutterstock


"Mein Baby will offensichtlich mit den Füßen voran das Licht der Welt erblicken. Ich habe mich so auf eine normale Entbindung gefreut, wollte alles bewusst miterleben. Jetzt wird es mit großer Wahrscheinlichkeit ein Kaiserschnitt", erzählt die Niederösterreicherin bedrückt.


Sie teilt dieses Schicksal mit ungefähr 5% aller Schwangeren, deren Sprösslinge sich den "verkehrten" Weg in die Welt ausgesucht haben.

 

Renate Großbichler, Präsidentin des österreichischen Hebammengremiums erklärt: "Es gibt drei Arten von Lageanomalien".

 

Am häufigsten ist die reine Steißlage (Po nach unten), sehr selten kommt die Steiß-Fußlage vor, etwas häufiger die Fuß- oder Knielage. Ich rate allen werdenden Müttern in dieser Situation, nur nicht zu verzagen, es besteht bis zum Schluss der Schwangerschaft Hoffnung,  dass sich das Baby doch noch zur Kopf-voran Position "überreden" lässt!

 

Normalerweise drehen sich Sprösslinge zwischen der 28. und 33.Woche in die endgültige Lage. Prinzipiell kann es später vorkommen, allerdings je länger die Schwangerschaft fortgeschritten ist, umso unwahrscheinlicher ist eine spontane Drehung.

 

Hat man bis 1996 in Österreich durchaus noch vaginal entbunden, ist man seither davon abgekommen. Zu hoch erscheint das Risiko von Komplikationen. "Ältere Hebammen und Gynäkologen verstehen sich zwar noch auf vaginale Geburten bei Beckenendlage, es fehlt ihnen aber mittlerweile die Routine und jüngere haben keinerlei Erfahrung auf dem Gebiet", meint Frau Großbichler.

 

Warum liegen manche Babys "verkehrt"?

"Das kann man zu 90% nicht sagen. Nach der Geburt findet sich manchmal eine Erklärung. Zum Beispiel ist die Nabelschnur  zu kurz gewesen und hat sich eng um den Hals geschlungen oder die Plazenta hat sich vor dem Muttermund versteckt", so Großbichler.

 

Kann man das Baby zu einer Drehung "überreden"?

Falls Ihr Baby mit dem Po voran auf die Welt kommen möchte, brauchen Sie sich keineswegs mit diesem Schicksal abzufinden, sondern ab der 34. Woche Maßnahmen treffen, den Winzling in eine Schädellage zu locken.

 

Homöopathie:

"Meinen Frauen rate ich mit sanften Methoden, wie Homöopathie (Pulsatilla, Sepia) zu beginnen. Falls der kleine Mensch darin keineswegs einen Grund sieht seinen Po zu bewegen, könnte Akupunktur zum Einsatz kommen", meint die Hebamme.

 

Moxen bzw. Akupunktur:

Am seitlichen Nagelwinkel der kleinen Zehe (Blase 67) werden senkrecht beidseitig 1-2 mm tief die Akupunkturnadeln gesetzt. Danach werden mit einer Moxazigarre (Beifußkraut) die Nadeln leicht erhitzt und somit dieser Punkt gereizt. Das Baby verspürt, je nach seiner Lage, beim Po oder den Füßen, ein unangenehmes Wärmegefühl. Im Idealfall entscheidet es sich für eine Kehrtwendung. 

 

Gezielte Bewegung:

Wenn Sie es lieber auf sportliche Weise probieren möchten, finden Sie mit der Indischen Brücke vielleicht den idealen Weg.


Die Übung: Der Partner sitzt mit leicht gegrätschten Beinen am Boden, die Frau liegt mit dem Becken hochgelagert auf seinen Oberschenkeln. Der Rücken am Boden zwischen den gegrätschten Beinen des Partners, die Beine der Frau über seine Schulter. Alternativ für jene, die den werdenden Vater nicht als Turngerät "missbrauchen" wollen: Pölster unter den Po schieben und die Beine an der Wand hoch stellen. Diese Lagerung sollte 1 bis 2 Mal täglich ca. 10 bis 15 Minuten eingenommen werden.

Nie alleine üben, da es zum kurzfristigen Abdrücken der großen unteren Hohlvene kommen könnte, wodurch der Blutrückstrom zum Herzen beeinträchtigt wird. Als Folge können massive Kreislaufprobleme auftreten, die bis zur Ohnmacht führen!

Falls Sie spüren, dass sich Ihr Baby offensichtlich tatsächlich zu drehen beginnt, die Übung  nicht mehr fortsetzen, sondern möglichst bald den Gynäkologen aufsuchen. Mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung stellt er fest, ob sich der Nachwuchs tatsächlich zur Umkehr entschlossen hat.

 

Äußere Wendung:

Falls diese eher sanften Methoden nicht fruchten, wäre die äußere Wendung eine weitere Möglichkeit. Die Patientinnen werden jedoch vorher aufgeklärt, dass dies mit einigen Risiken verbunden ist. So könnte sich die Plazenta vorzeitig lösen oder die Nabelschnur um den Hals wickeln. Mitunter kann der Vorgang auch als schmerzhaft empfunden werden. Bei der äußeren Wendung  wird zunächst eine 20-minütige Überwachung der Herztöne des Babys mittels CTG vorgenommen, gleichzeitig eine wehenhemmende Infusion verabreicht. Danach vollführt der Gynäkologe oder die Hebamme, mit Hilfe der Hände, durch die Bauchdecke, eine Wendung des Babys. Die Erfolgschancen liegen immerhin bei 70%.

"In jedem Fall ist es wichtig, dass Sie sich mit Ihrem Gynäkologen oder Hebamme genau absprechen! In erster Linie müssen Sie sich wohlfühlen und sicher zu nichts überreden lassen", erklärt Renate Großbichler.

 

Wann sind die Erfolgschancen für eine "Umkehr" am Größten?

Die größten Chancen, dass sich der kleine Zwerg in die ideale Kopf-voran-Position bewegt, haben Frauen, die schon ein Kind geboren haben. Die Plazenta sollte sich an der Hinterwand der Gebärmutter befinden, die Fruchtwassermenge nicht vermindert und das Baby eher klein sein.


Bis wann kann sich das Baby drehen?

Im Grunde bis zum Ende der Schwangerschaft - deshalb sollte eine Steißlage alleine nicht unbedingt ein Grund für einen frühzeitigen Kaiserschnitt sein. Wenn das Kind in der 36. Woche noch in Beckenendlage/Steißlage liegt, wird man über den Kaiserschnitt reden und mit größter Wahrscheinlichkeit 10 - 12 Tage vor dem Stichtag durchführen.


Warum ist eine vaginale Beckenendlagen-Entbindung so riskant?

Der Steiß oder die Füße sind weniger geeignet, den Geburtsweg auszudehnen, als der Kopf.
Wenn der Steiß geboren ist, kommt der Zeitpunkt, wo die Nabelschnur abgedrückt wird, der Kopf aber noch in der Gebärmutter steckt. Das ist der gefährlichste Zeitpunkt. Es entsteht hoher Druck, sowie eine starke Zugbelastung auf das Köpfchen und die Wirbelsäule. Vor allem bei größeren Kindern (über 3800g) steigt die Gefahr durch Steckenbleiben im Geburtskanal.

 

Vaginale Steißgeburten verlaufen langsamer und führen daher eher zur Erschöpfung der werdenden Mutter. Für einen Kaiserschnitt spricht auch, dass erst gar keine Wehen auftreten sollten, da die Komplikationsrate dadurch wieder ansteigen würde (Nabelschnurvorfall).
Dabei kann man weder mit einer Saugglocke oder Zange eingreifen, sondern muss letztendlich doch einen Schnitt durchführen.


Wie finde ich die passende Geburtsklinik?

Nehmen Sie sich dafür Zeit, nicht erst kurz vor der Entbindung eine Entscheidung treffen! Besichtigen Sie auch die Kreissäle, es gibt immer wieder Tage der offenen Tür. Erkundigen Sie sich, ob die Klinik auch auf Beckenendlage-Geburten spezialisiert ist! Bedenken Sie, dass Sie sich wohlfühlen müssen und nur das zählt letztendlich!

 

Katharina Meisel ist jedenfalls noch voller Hoffnung: "Ich habe mit meiner Hebamme vereinbart, dass ich zunächst versuche, mein Baby mit Homöopathie zu einer Wendung zu überreden! Doch ich habe mich mittlerweile auch schon auf einen eventuellen Kaiserschnitt eingestellt. Im Endeffekt ist ja das Wichtigste, dass unser heiß ersehntes Baby einfach gesund ist", strahlt die werdende Mutter nun wieder zuversichtlicher.


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