Vorboten der Geburt

Vorboten der Geburt
Foto: PantherMedia/Oleg Dudko / Author: Katharina Wallner


"Wir erwarten ein Kind!" Doch woran erkennt man, dass das Warten ein Ende hat? Schließlich halten sich nur vier Prozent aller Kinder an den errechneten Geburtstermin. Alle anderen nehmen es nicht so genau und lassen sich länger Zeit oder drängen früher als erwartet darauf, geboren zu werden. Wie gut, dass Vorboten von der bevorstehende Geburt künden.

Filmreife Geburtsszenen sehen in etwa so aus: Die hochschwangere Frau wirft, wie aus dem Nichts, ihren Kopf in den Nacken, atmet stöhnend aus und lässt lautstark wissen: "Ich glaube, es geht los!" Sekunden später rast der werdende Vater mit seiner Frau ins Krankenhaus, im Auto jagt eine Wehe die nächste, und schon ist der Pressdrang nicht mehr zu unterdrücken... Hurra, das Baby ist da!
Im "echten Leben" werden die wenigsten Frauen derart von der Geburt ihres Kindes überrascht oder kommen gar zu spät ins Krankenhaus.

Ende der Schwangerschaft - Erste Zeichen


Die kindlichen Bewegungen lassen gegen Ende der Schwangerschaft etwas nach, da es für das Baby in der Gebärmutter zunehmend enger wird. Fest entschlossen, alsbald geboren zu werden, nimmt es drei bis vier Wochen vor dem Geburtstermin die "Pole-Position" ein und in den meisten Fällen mit seinem Köpfchen Beziehung zum kleinen Becken der Mutter auf. In der Zeit, in der sich das Baby quasi an der Startlinie positioniert, verändert sich auch die mütterliche Stimmungslage. Nervöse Unruhe, Schlaflosigkeit und psychische Labilität kennzeichnen diese Phase. Viele Frauen werden auch emsig, um dem Neuankömmling ein gemachtes Nest zu bieten. Körperlich tut sich ebenfalls einiges. Mit den Senkwehen am Ende der Schwangerschaft setzt sich der hochschwangere Bauch nun endlich ein paar Zentimeter ab - eine Erleichterung, um wieder frei durchzuatmen! In dieser geht auch ein blutiger Schleimpfropf ab, der bis dahin den Gebärmutterhals als natürliche Barriere vor Keimen verschlossen hielt.
Dieses sogenannte "erste Zeichen" kann sich zwar bereits 14 Tage vor den ersten Wehen zeigen, tritt meist aber ein bis zwei Tage vor dem Einsetzen der ersten Geburtswehen in Erscheinung. Ein sicheres Anzeichen für die Geburt ist dieses Geschehen jedoch nicht, denn es kann leicht übersehen werden. Ebenfalls unsicher, aber mögliche Anzeichen sind eine Gewichtsabnahme infolge vermehrter Urinausscheidung und zunehmender Druck auf die Blase. Auch der Darm kann nun stärker angeregt sein, und nicht selten kündigt sich die Geburt durch eine leichte Diarrhö an.

Wehenarten


Senkwehen, Vorwehen, Eröffnungswehen oder Presswehen: Nicht alle Wehenarten erfüllen den gleichen Zweck, und Schwangerschaftswehen sind manchmal schwer von Geburtswehen zu unterscheiden.
Vorwehen lassen den Gebärmutterhals reifen und verändern seine Position. Ruht er während der Schwangerschaft in Richtung Kreuzbeinhöhle, bewegen ihn erst diese Wehen in die Führungslinie. Vorwehen machen den Gebärmuttermund aber auch weicher und verkürzen ihn, bis er schließlich unter dem Einfluss von Eröffnungswehen Zentimeter für Zentimeter aufgehen kann. Vorwehen leisten also eine wichtige Vorarbeit für die Geburt. Während sie an manchen Frauen nahezu unbemerkt vorübergehen, empfinden andere sie bereits als unangenehme Krämpfe. Wenig Wunder, warum es just jetzt zu einem Fehlalarm kommen kann und der Mutter in spe, im Krankenhaus angekommen, manchmal angeraten wird, noch für ein Weilchen nach Hause zu fahren. Wenn alles in Ordnung ist, die Wehen tolerierbar sind oder vielleicht sogar wieder ganz aufgehört haben, empfiehlt es sich durchaus, es sich noch einmal zu Hause gemütlich zu machen und abzuwarten, bis regelmäßige Wehen zu verspüren sind. Auf das eigene Bauchgefühl zu achten ist immer ratsam, wenn es um Schwangerschaft und Geburt geht. Denn nur wer sich sicher fühlt, wird die letzten Schwangerschaftswochen genussvoll und entspannt erleben und der Geburt positiv entgegenblicken.


HILFREICHE KRITERIEN, UM VOR- VON ERÖFFNUNGSWEHEN ZU UNTERSCHEIDEN:


Vorwehen:
  • Sind meist unregelmäßig in Frequenz, Stärke und Dauer.
  • Halten nur eine gewisse Zeit an und hören dann wieder auf.
  • Im Liegen oder beim Baden im warmen Wasser lassen sie nach.
  • Die Schmerzen werden häufig ähnlich wie Menstruationsschmerzen empfunden und strahlen vorwiegend in die Leistengegend aus.
Eröffnungswehen:
  • Die Wehenabstände werden zunehmend kürzer und die Wehen kommen in rhythmischen Abständen.
  • Intensität und Dauer von Wehen (bis zu 60 Sekunden).
  • Trotz Entspannungsbädern halten die Wehen an.
  • Die Schmerzen werden oft im Kreuzbereich wahrgenommen.
  • Die Konzentration auf das Geschehen nimmt deutlich zu.
Faustregel, wann man ins Krankenhaus/Geburtshaus losfahren soll:
  • Die Wehen kommen alle fünf bis sieben Minuten.
  • Die Wehen dauern mindestens 20 Sekunden und werden zunehmend stärker.
  • Bei einem Blasensprung - ganz unabhängig davon, ob schon Wehen eingesetzt haben oder nicht.
  • Das Bauchgefühl oder körperliche Signale zeigen, dass eine Kontrolle wichtig wäre.

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