(Ab)Stillen leicht gemacht

(Ab)Stillen leicht gemacht
Foto: shutterstock/taramara78


Aller Anfang ist schwer

"Stillen ist ganz natürlich" und "Stillen ist gesund". Damit wird jede Schwangere früher oder später vertraut gemacht. Genauere Infos werden allzu oft während der Schwangerschaft noch nicht eingeholt. Wenn der kleine Schatz erst einmal auf der Welt ist, wird man ihn schon ernähren. Ist doch alles ganz natürlich, oder? Dass "natürlich" und "einfach" nicht ganz dasselbe sind, merkt so manche Neo-Mami erst beim sogenannten "Milcheinschuß". Trotzdem macht es Sinn, Anfangsschwierigkeiten beim Stillen zu überwinden. Keine Nahrung ist für das neugeborene Kind besser verdaubar, keine Milch so optimal auf die Bedürfnisse des Babys abgestimmt wie Muttermilch. Es lohnt sich also, die Zähne zusammen zu beißen. Das ist durchaus wörtlich gemeint, denn den meisten Frauen  tut das Stillen anfangs weh. Einerseits müssen sich die Brustwarzen erst an das ständige Saugen gewöhnen, andererseits lernt auch das Neugeborene noch richtig zu trinken. Die gute Nachricht: Diese Anfangsschmerzen sind bald überwunden und schon wenn man aus dem Spital nach Hause kommt hat man meist andere Sorgen.


Und der Alltag?

Viele Babys wollen alle zwei Stunden an den mütterlichen Busen - und verweilen dort auch gerne eine halbe Stunde. Mit steigendem Lebensalter werden die Abstände geringer, oft pendelt sich ein Vierstunden-Rhythmus ein. Der Rhythmus, mit dem man immer mit muss, kann für die Mutter auch belastend sein. Einerseits ist Stillen praktisch, weil "mama" die Milch immer dabei hat. Was aber, wenn sie das Baby nicht dabei hat; sprich Termine alleine wahrnehmen muss (oder gar ausgehen will)? Einzige Lösung: Abpumpen. Auch hier gilt: Übung macht den Meister. Und eine gute (elektrische!) Milchpumpe hilft dabei. Achtung: Vor der ersten Trennung genau informieren wie viel Muttermilch das Baby pro Mahlzeit braucht (je älter, desto mehr).


Abstillen

Irgendwann ist es dann soweit. Mama will (oder muss) ganz abstillen. Aber wie? Jedenfalls langsam. Weder für das Baby noch für die Mutter (Achtung: Milchstau) ist es ratsam, die Stillbeziehung abrupt zu unterbrechen. Wenn man behutsam vorgehen will, kann man eine Stillmahlzeit pro Woche durch andere Nahrung ersetzen. Grundsätzlich gilt: Je seltener das Kind an der Brust saugt,  umso weniger Milch wird produziert. Muss rasch abgestillt werden, helfen Medikamente. Stillberaterin Barbara Müller hat Tipps für "natürliches Abstillen" auf Lager: "Pfefferminztee mindert die Milchproduktion. Schon eine Tasse pro Tag wirkt abstillend. Gut ist es auch, nach dem Stillen Coolpaks auf die Brust (niemals auf die Brustwarze selbst!) aufzulegen. Circa zehn Minuten, dann eine Pause von zehn Minuten. Den Vorgang drei Mal wiederholen".


Beikost

Mit dem "Zufüttern" beginnen sollte man frühestens im siebenten Monat. Der Vitamin und Nährstoffbedarf des Babys wird jetzt nicht mehr ausschließlich durch Muttermilch gedeckt: Beikost steht auf dem Speiseplan. Mit einigen Löffeln "Frühkarotten" beginnt der lange Weg zur festen Nahrung. Danach gibt’s wie gehabt Busen oder Fläschchen. Schön langsam wird das Baby mit Nahrungsmitteln vertraut gemacht. Zuerst Frühkarotten, dann Karotten (oder Kürbis) mit Kartoffeln, später kommt Fleisch dazu. Schließlich vormittags Obst und nachmittags Obst mit Getreide. Bleibt noch das Stillen (bzw. Fläschchen) morgens, abends  und in der Nacht.


Problemfälle:

Variante 1:

Mama will abstillen, Baby verweigert andere Nahrung
Auch wenn es trivial klingt: Möglichst cool bleiben. Das Ziel, das man sich gesetzt hat, konsequent verfolgen. Die lieben Kleinen haben nämlich einen Sensor für mütterliche Unsicherheiten. Immer wieder Fläschchen oder Brei anbieten. Notfalls soll eine andere Bezugsperson füttern, damit der verführerische Busen außer Reichweite ist.
Geheimtipp: Bachblüten können dem Baby (und der Mutter) den schwierigen Abschied erleichtern.
Zusammensetzung: star of bethlehem
    wallnut
    chicoree
    rockrose
    honeysuckle  
3 Tropfen von jeder Blüte in 30 ml Wasser in der Apotheke mischen lassen.
4 x 4 Tropfen täglich helfen dem Baby.

 

Variante 2:

Baby verweigert plötzlich die Brust, Mama platzt der Busen
Da hilft nur abpumpen (nur so viel bis der Druck weg ist) oder ausmassieren. Die Brustmassage sollte man einmal gezeigt bekommen, es empfiehlt sich also schon auf der Geburtsstation danach zu fragen. Grundregel: Unter der Dusche. Zuerst warm, das fördert die Durchblutung und öffnet die Milchgänge. Dann massieren. Zum Abschluss kalt duschen, um Gefäße wieder zusammen zu ziehen (Achtung: nicht mehr massieren). Wichtig ist, dass die Brust entleert wird, sonst kommt es zum Milchstau und in der Folge möglicherweise zu einer Brustentzündung. Kontaktieren Sie eine Stillberaterin (in Notsituationen auch geburtshilfliche Ambulanz)!
Mit dem Abstillen ist eine ganz spezielle Lebensphase abgeschlossen. Ein Grund wehmütig zu sein? Ein bisschen, vielleicht. Aber jedenfalls ein Grund, stolz auf sich zu sein: Sie haben ihrem Kind einen guten Start ins Leben ermöglicht!

 

NEW MOM Infos:

unter  www.stillen.at oder www.lalecheliga.at
Stillberaterin Barbara Müller: 06991/8699476