Allergien - wie schütze ich mein Baby?

Allergien - wie schütze ich mein Baby?
Foto: Shutterstock/Serhiy Kobyakov


Unser Immunsystem ist grundsätzlich eine feine Sache. Es überwacht, was alles an Mikroorganismen in unserem Körper herumwuselt und bekämpft Viren, Bakterien und Pilze, die uns schädlich werden können. Zusätzlich räumt es auch jene körpereigenen Zellen auf, die abgestorben sind oder Probleme machen. Mit Immunsystem ist ein Schnupfen lästig. Ohne wäre er tödlich.

 

Immungedächtnis

Das beste am menschlichen Immunsystem ist jedoch, dass es lernfähig ist und ein Gedächtnis hat. Jeder neue Mikroorganismus im Körper wird analysiert und als gefährlich oder ungefährlich kategorisiert. Das Immunsystem merkt sich diese Entscheidungen und hat, wenn der Organismus wieder kommt, gleich die passenden Antikörper bereit. Diesen Prozess nennt man Sensibilisierung.

 

Überreaktion

Die Sensibilisierung wird dann zum Problem, wenn das Immunsystem eine falsche Entscheidung trifft. So kann es dazu kommen, dass harmlose Bestandteile von Nahrungsmitteln, Blütenpollen oder Tiersekreten als schädlich kategorisiert werden. Wenn das Immunsystem darauf mit einer Entzündung, zum Beispiel der Nasenschleimhäute oder Bronchien, reagiert, spricht man von einer Allergie.

 

Risikokinder

Allergieprävention, also das Vermeiden von Allergien, ist für die meisten jungen Eltern ein großes Thema. Zurecht, denn die "Lernphase" des Immunsystems findet insbesondere im ersten Lebensjahr eines Kindes statt. Es gilt also, möglichst früh die richtigen Maßnahmen zu setzen, gerade für allergiegefährdete Kinder. Als Risikobabys gelten Babys von Eltern, die ihrerseits unter Allergien leiden, wobei die Mutter hier eine größere Rolle spielt als der Vater. Ist auch nur ein Elternteil allergisch, steigt das Allergierisiko des Kindes um das Dreifache. Sind beide betroffen, ist es fünfmal so hoch wie bei einem Kind nicht-allergischer Eltern.

 

Nicht zu sauber

Allergien werden also vererbt, doch auch die Lebensumstände spielen eine große Rolle. Zurecht spricht man von einer Zivilisationskrankheit: In den westlichen Industriestaaten sind rund 20 % aller Schulkinder von Allergien betroffen, während sie in der Dritten Welt fast unbekannt sind. Laut der so genannten Hygienehypothese leben wir einfach zu sauber. Das Immunsystem wird im ersten Lebensjahr wegen übertriebener Hygienemaßnahme zu wenig mit jenen Baktieren konfrontiert, die für die Ausbildung der spezifischen Abwehr wichtig sind. Kinder mit vielen Geschwistern, Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen und Kinder, die früh eine Krabbelgruppe besuchen, haben ein geringeres Allergierisiko, das haben mehrere Studien in den letzten Jahren belegt. Wenn also Ihr Kleines sehr regelmäßig ein Dreitagesfieber aus dem Kindergarten nach Hause bringt, freuen Sie sich: Eine hohe Anzahl banaler Infekte in den ersten beiden Lebensjahren senkt das Allergierisiko. Die Rotznase ist das beste Training fürs Immunsystem.

 

Vorbeugen

Was können Eltern tun, um das Allergierisiko ihrer Kinder weiter zu senken? Ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung, Luft, Licht, Schlaf und gesunder Ernährung hilft auf jeden Fall. Rauchen und Passivrauchen fördert Entzündungen und sollte deshalb tabu sein für Eltern allergiegefährdeter Kinder. Mindestens ein halbes Jahr voll zu stillen ist gut für das Immunsystem des Kindes, nach neueren Erkenntnissen werden dadurch Allergien aber weniger verhindert, als dass sie später auftreten.

 

Speiseplan

Mittlerweile auch umstritten ist die allergiefördernde Wirkung von Kuhmilch. Die meisten Ärzte empfehlen jedoch, im ersten Lebensjahr darauf zu verzichten, zu stillen oder auf hypoallergenes Milchpulver (HA-Milch) zurückzugreifen. Nüsse, Erdnüsse, Mandeln und Fisch gehören frühestens im dritten Lebensjahr auf den Speiseplan von Risikokindern. Beikost sollte erst ab dem 6. Monat eingeführt werden. Idealerweise probiert man dabei immer nur ein Gemüse, zum Beispiel Kürbis, für ein paar Tage, um zu sehen, wie das Baby darauf reagiert, bevor man das nächste einführt. Das funktioniert natürlich nur, wenn das Baby den Brei auch brav isst. 

 

Haustierchen

Übertriebene Hygiene ist falsch, deshalb sind auch Haustiere für allergiegefährdete Kinder kein Problem, solange sie vor der Geburt angeschafft wurden. Sollte dann doch eine Tierhaarallergie auftreten, muss das Tier wohl oder übel weggegeben werden. Auch die viel geschmähten Hausstaubmilben sind kein wirkliches Problem, solange man es ihnen nicht zu gemütlich macht. Regelmäßiges Lüften, eine niedrige Luftfeuchtigkeit und ein kühles Schlafzimmer sind schon einmal die halbe Miete. Matratzen und Bettzeug sollten waschbar und aus synthetischem Material sein, die Kuscheltiere kommen gelegentlich in die Sonne oder den Tiefkühler. Hitze und Kälte sind tödlich für jede Milbe.

 

Behandlung

Sollten Sie den Verdacht haben, dass eine Allergie vorliegt, dann gehen Sie schnell zum Arzt. Er wird im Gespräch und mit Tests möglichst genau herausfinden, welcher Stoff die Allergie auslöst. Da es sich bei Kleinkindern meistens um Lebensmittelallergien handelt, können Sie diesen dann einfach vom Speiseplan streichen. Sie ersparen Ihrem Kind damit nicht nur Ausschläge, sondern möglicherweise auch weitere Allergien: Je früher eine Allergie erkannt und behandelt wird, desto geringer ist das Risiko für weitere Allergien und gefährlichere Symptome wie allergisches Asthma.

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