Stillen

Stillen
Foto: PantherMedia/oksun70 / Author: Katharina Wallner


Wäre Muttermilch eine Produktneuheit, würden Werbefachleute begeistert nach Worten der Superlative ringen und könnten doch kaum beschreiben, wie einzigartig und gesund das Stillen ist. Wäre Muttermilch noch nicht erfunden, man müsste es tun...

In Österreich beginnen laut Umfragen 87 von 100 Frauen nach der Geburt ihres Kindes zu stillen. Was die Motive betrifft, steht für die meisten Gesundheitsförderung an oberster Stelle, dicht gefolgt von der innigen Mutter-Kind-Bindung und der bewiesenen Allergieprophylaxe.

Stillen ist die natürlichste und beste Ernährung in den ersten Lebensmonaten und perfekt auf die Bedürfnisse des Säuglings abgestimmt. Aus diesem Grund empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO, reif geborene, normalgewichtige Kinder bis zum sechsten Monat (180 Tage) ausschließlich zu stillen. Wenn sie immer an die Brust dürfen, sobald sie danach verlangen, brauchen Babys in dieser Zeit keine weiteren Speisen und Getränke und entwickeln sich prächtig. Erst nach sechs Monaten kann Muttermilch alleine den Ernährungsbedarf des Kindes nicht mehr ausreichend stillen. Die meisten Babys sind zu diesem Zeitpunkt aber ohnedies bereit für ihre ersten Löffel Brei.


Muttermilch - Grandioses Naturprodukt


Muttermilch besteht zu 87 Prozent aus Wasser, in dem zahlreiche wertvolle Inhaltsstoffe gelöst sind. Die Bereitstellung ist raffinierter als bei jedem anderen Drink... von der Verpackung ganz zu schweigen. Muttermilch ist immer wohltemperiert und am Anfang der Stillmahlzeit wässriger als am Ende. Genial, denn so löscht die wässrige Vordermilch zuerst den Durst, ehe die Hintermilch mit erhöhtem Fett- und Proteinanteil den Hunger stillt. Ernährt sich die Mutter ausgewogen und gesund, bekommt das Baby so alle Vitamine und Mineralstoffe im richtigen Verhältnis. Schon vor der Geburt nehmen Babys über den Mutterkuchen Eisen auf und legen einen Vorrat in ihrer Leber an, der bis zum sechsten Lebensmonat ausreicht und dann durch das Stillen weiter gespeist wird.

In jedem Tropfen Muttermilch sind zudem Immunglobuline enthalten, die das Baby vor Bakterien, Infektionen und Viren schützen. Eine spezifische Eiweißzusammensetzung macht Antikörper zum Schutz gegen Infektionen und Allergien einsatzbereit. Auch ist Muttermilch reich an freien Aminosäuren, die den Aufbau des Gehirns, der Leber und der Netzhaut des Auges beeinflussen.
Das ist aber noch nicht alles: Die Proteine Kasein und Laktalbumin sind in der Muttermilch im Verhältnis 0,7 : 1 enthalten - ganz anders als bei der Kuhmilch, wo es 3 : 1 beträgt. Kuhmilch enthält also fast dreimal so viel Kasein und ist dadurch viel schwerer verdaulich. Was die Milch aller Säugetiere verbindet, ist der in Form von Laktose enthaltene Zucker. Dieses wichtigste Kohlenhydrat liefert schnell verfügbare Energie und ist in der Muttermilch im Vergleich zur Kuhmilch nahezu in der doppelten Menge vorhanden.
Ein Teil der Laktose fördert das Wachstum von Laktobazillen, die Babys vor Durchfall schützen. Sie machen übrigens auch den süßen Geruch des Stuhles aus.


Foto: PantherMedia/mac_sim
Sinnlich: Das erste Stillen nach der Geburt hat beruhigendeWirkung auf die Psyche der Mutter. Denn das Potpourri aus Hautkontakt, Blicken, Gerüchen, Lautäußerungenund dem Stillhormon Oxytocin bewirkt "Liebe auf den ersten Blick" zwischen Mutter und Kind.

Bedeutung des Stillens


Wenn es um die Abstimmung auf die kindlichen Bedürfnisse geht, reichen die Qualitäten des Stillens aber weit über die reine Ernährung hinaus: Während der Stillmahlzeiten wird ein inniges Band der Verbundenheit zwischen Mutter und Kind geknüpft. Stillen wirkt sich aber auch günstig auf die mütterliche Gesundheit aus, ist bequem und spart viel Geld.

All diesen Vorteilen zum Trotz sinkt die Stillmotivation von Frauen. Säuglinge kommen zunehmend kürzer in den Genuss von Muttermilch:
Ein Viertel aller Kinder wird bereits in den ersten vier bis zwölf Wochen frühzeitig abgestillt. Hinter der Entscheidung, mit dem Stillen aufzuhören, stecken meist Stillprobleme, Schmerzen, Unsicherheiten, ob denn die Milchmenge ausreicht, und die Einschränkung, die das Stillen auf den Lebensstil haben mag.

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