Was braucht mein Kind?

Was braucht mein Kind?
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Das Baby ist da - und das Zimmer bereits gut gefüllt mit Klamotten, Spielsachen, Kuscheltieren und allem, was es sonst so braucht. Aber halt - wie viel braucht ein Baby eigentlich und wie viel ist zu viel? Oft fällt es frischgebackenen Eltern schwer das einzuschätzen. Jedes Baby ist schließlich anders, hat unterschiedliche Bedürfnisse und Gewohnheiten. Damit die grobe Richtung jedoch stimmt, hier eine Orientierung in Sachen: Was und wie viel braucht mein Kind?

1. SPIELZEUG 

Spielsachen und Kuscheltiere sind wohl eins der größten Themen für neue Eltern - oder vielmehr deren Umfeld. Denn sobald das Baby unterwegs ist, wird häufig schon nach den passenden Geschenken zur Geburt geschaut. Da ist häufig nicht nur das erste Kuscheltier mit dabei, sondern auch gleich die Nummern zwei bis zehn. Auch Bodys, Schnuller und Decken gibt es dann häufig genug, nebenbei noch das ganze Spielzeug, dass das Kind bespaßen soll. Ruckzuck ist das Kinderzimmer überfüllt - und das obwohl das Kleine gerade mal Mama und Papa anschauen, schlafen und trinken kann.

Hier wird klar: So viel braucht das Baby nicht. Es kann weder in den wenigen Wachstunden mit allem spielen, noch bewusst entscheiden, womit er genau spielen möchte. Und auch wenn Spielen schließlich zum "Beruf des Kindes" wird, braucht es vor allem immer genau das, was es gerade fördert. Denn Spielen ist beim Kind Ausdruck und Mittel zum Lernen. So wirkt auch jedes einzelne Spielzeug anders auf die Entwicklung des Kindes, wächst mit oder wird eben nach einiger Zeit nicht mehr bespielt. Deswegen ist das wichtigste beim Spielzeug: Die Kreativität anregen und veränderbar sein. 

Ein gutes Beispiel für mitwachsendes veränderbares Spielzeug ist der einfache Holzklotz. Während dieser am Anfang vor allem zum Greifen lernen und Betasten gereicht, wird er später dann hin und her geräumt, durch alle möglichen Öffnungen gesteckt und wieder herausgezogen. Wenn es dann ans dreidimensionale Spielen geht, wird er mit anderen Stücken zusammen gestapelt und zum Turm gebaut. Dann wiederum kann er andere Spielsets ergänzen, wenn beispielsweise ein Auto fehlt und hier mit Geräuschen und Bewegungen zum Leben erweckt werden. Hier kann - grob geschätzt - ein sinnvolles, universell einsetzbares Spielzeug-Set pro Lebensjahr vollkommen ausreichend sein. Eine Obergrenze setzt jedes Elternpaar für sich - es ist jedoch zu bedenken, dass zu viel Spielzeug die Kreativität nicht mehr so effektiv fördern kann, wie einzelne, universell einsetzbare Stücke. Hat ein Kind vom Elefanten bis zum Spielzeughuhn alles, muss nie ein Bauklotz durch "Wuff, Wuff" zum Hund werden und die Schafe bewachen.

2. KLAMOTTEN UND SCHUHE

Kinder wachsen schnell - darum brauchen sie fast ständig neue Sachen. Ein Grund mehr, die Basisausstattung so gering wie möglich zu halten. Drei Stück von jedem Kleidungsteil pro Größe sind vollkommen ausreichend. Das mag zwar auf den ersten Blick mehr und häufigere Wäsche bedeuten, führt aber am Ende dazu, dass viel weniger Geld für Kleidung ausgegeben wird, die am Ende eh nur wenige Wochen getragen wird. Durch ein riesiges Angebot auf dem Gebrauchtmarkt, ist hinterher auch mit keinem hohen Wiederverkaufswert zu rechnen - hier ist weniger also ganz eindeutig mehr.

Ähnlich sieht es mit den Schuhen aus. Ohnehin braucht es einige Zeit, bis tatsächlich Bedarf entsteht - und auch dann werden sie durch die zunächst zaghaften Lauflern-Versuche nur wenig abgenutzt. Hier ist gute Qualität und vor allem die richtige Passform das allerwichtigste. Deswegen ist es besser, ein paar Euro mehr in ein paar gute Schuhe zu investieren, als am Ende zu viele Exemplare zu haben und sie wie die Kleidung hinterher nicht loszuwerden.


3. ESSEN UND TRINKEN

Kinder essen sehr intuitiv, auch Babys wissen in der Regel, wie viel sie brauchen, wenn ihre Nahrung denn möglichst naturbelassen ist. Deswegen sollte immer dem Kleinen die Entscheidung überlassen werden, wie viel Nahrung es braucht, wann es satt ist und wann es noch mehr möchte. Es hingegen frühzeitig von der Brust oder der Flasche zu nehmen, kann dazu führen, dass das Kind das Gefühl für sich und seine Nahrung verliert und damit selbst nicht mehr einschätzen kann, wie viel es braucht und stattdessen zu viel oder zu wenig isst - oftmals der Grundstein für späteres Übergewicht.

Am besten ist es also, sein Kind so gut wie möglich kennen zu lernen und die Nahrungsmenge entsprechend darauf einzustellen. Ebenso sollte aber das Vertrauen in das Kind da sein: Es weiß, wenn es an einem Tag weniger oder mehr braucht. Als grobe Orientierung gelten ansonsten in den ersten sechs Monaten 150 ml Mutter- oder Säuglingsmilch pro kg Körpergewicht, wenn das Kind ausschließlich davon ernährt wird. Diese Menge wird zusammengerechnet und über den Tag aufgeteilt. 


Mutter stillt Baby
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Mit Breikost, die in der Regel ab dem sechsten Monat dazu kommt, verhält es sich dann unterschiedlich, es kommt maßgeblich auf die Beweglichkeit des Kindes an und auch seinen Appetit. Außerdem ist auch mit einzukalkulieren, ob das Baby neben der Beikost noch gestillt wird oder nicht. Als grobe Orientierung gelten ansonsten im sechsten und siebten Lebensmonat etwa 190 Gramm pro Mahlzeit, im achten, neunten und zehnten etwa 220 Gramm und ab dem elften Monat etwa 220 bis 250 Gramm pro Mahlzeit. Dazu sind Wasser und ungesüßte Tees zu reichen, denn die Flüssigkeit wird für eine erfolgreiche Verdauung benötigt.

4. SCHLAF

Der Schlaf des Babys wirkt sich auf die ganze Familie aus, deswegen sind alle froh, wenn das Baby möglichst bald feste Schlafrhythmen annimmt, diese möglichst in der Nacht liegen und damit alle einen angenehmen Tagesrhythmus eingehen können. Zunächst jedoch verteilen sich die 16 bis 19 Schlafstunden eines Babys gleichmäßig auf den Tag und die Nacht, erst im Laufe des ersten Lebensjahres lernt es dann, die Wachstunden vermehrt auf den Tag zu verlegen.

In der Regel wacht es ca. alle zwei bis drei Stunden auf und verlangt nach Milch, die der Körper braucht, um seinen Aufgaben nachzugehen. Nur wenn das Baby abnimmt weil es zu lange schläft und deswegen nicht genug Nahrung aufnimmt, sollte ein Kinderarzt oder die Hebamme beratend tätig werden und anschließend eventuell der Schlaf früher unterbrochen werden. Ansonsten ergibt sich der Schlafrhythmus auch dadurch, dass immer wieder die gleichen Rituale durchgeführt werden und das Baby durch die Eltern zur Ruhe gebracht wird. Das wird zunehmend wichtiger, je aktiver das Kind seine Umwelt wahrnimmt und davon beeinflusst wird. Durch die beruhigenden Rituale findet es dann in den Schlaf und kann so den Rhythmus festigen.

Aber es kann auch von Seiten des Kindes dazu kommen, dass sich der Rhythmus aufgrund besonderer Entwicklungssprünge verändert und es plötzlich wieder vermehrt Aufmerksamkeit und auch Milch braucht. Hier weiß erneut das Baby, was am besten für es ist - wirkt jedoch etwas sehr komisch auf die jungen Eltern, sind Hebammen und Kinderärzte die richtigen Ansprechpartner.

5. BEWEGUNG UND NEUE EINDRÜCKE

Ein Baby bewegt sich noch nicht sonderlich viel - mehr als Greifen, Drehen, später dann Robben, Wippen und Krabbeln ist zu Beginn nicht drin. Aber das bewirkt mehr als gedacht: Nur durch diese kleinen Bewegungen und Erfahrungen, die es tagtäglich macht, können sich sowohl die sensomotorischen Fähigkeiten als auch das Gehirn weiter ausbilden. Durch die neuen Erfahrungen bilden sich neue Verknüpfungen, Lernprozesse werden in Gang gesetzt und die Bewegungsfähigkeiten werden jeden Tag weiter ausgereift.

Das bedeutet auch, dass Kinder mit mehr Eindrücken auch schneller lernen - je mehr Freiräume ein Kind hat und je mehr neue Situationen es kennen lernen kann, desto feiner reift die Motorik aus, desto schneller lernt es, seinen Körper zu koordinieren und zu kontrollieren -  das schafft Erfolge und damit Selbstvertrauen. Eltern, die übervorsichtig auf die ersten Gehversuche des Kindes reagieren und jede mögliche kleine Gefahr unterbinden, sorgen so dafür dass auch das Kind ängstlich wird und sich keine Erfolgserlebnisse verschaffen kann. Diese sind wichtige Erlebnisse und man sollte dabei nicht vergessen: Auch Fallen lernt ein Kind nur durchs Fallen selbst.


Kind spielt
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6. FRISCHE LUFT

Ähnlich wie durch Bewegung lernt ein Kind auch durch neue Sinneseindrücke von außen. Frische Luft und Spaziergänge durch die Umgebung sorgen für diese neuen Eindrücke und machen es dem Kind möglich, seine Welt kennen zu lernen. Je mehr Frischluft und Außenwelteindrücke ein Kind dabei hat, desto besser -am besten eignen sich tägliche Spaziergänge an der frischen Luft, bei denen das Baby zunächst durch den Kinderwagen einen Blick auf die Welt da draußen werfen kann - so wird das Gehirn angeregt und die Entwicklung des Babys optimal gefördert. Auch gewöhnt es sich so an die nicht klinisch reine Luft und entwickelt Antikörper dagegen. So reift das Immunsystem gleich noch mit.


7. FREUNDE UND SOZIALE KONTAKTE

Tatsächliche soziale Kontakte kann ein Kind erst ab ca. zwei Jahren aufnehmen. Bis dahin kann es noch nicht wirklich viel mit anderen Kleinkindern anfangen - allerdings nimmt es auch früher schon zaghafte Verbindungen zu gleichaltrigen Kindern auf. So suchen Babys ab ca. drei Monaten schon Blickkontakt zu anderen Säuglingen, dann versuchen sie nach ihnen zu greifen und lächeln auch mal zielgerichtet das andere Baby an. Später dann quiekt es vielleicht vor Vergnügen, bewegt sich auf andere Kinder zu oder berührt sie sogar ganz mutig. Ein Kind sitzt so immer lieber mit anderen zusammen, als alleine irgendwo.

Das hat zwar noch wenig mit sozialer Interaktion zu tun, geht aber dem Entdeckertrieb des Babys nach. Ab ca. neun Monaten imitieren sie auch gerne schon einmal das, was andere Kinder tun. Das bedeutet auch, dass Spieltreffs mit anderen Babys durchaus förderlich für die Entwicklung sein können, auch wenn das Baby das andere vielleicht nicht als Freund sondern eher als fremdes Wesen zum Erforschen wahrnimmt. Im Gegensatz zu Mama und Papa handelt ein Baby nicht rücksichtsvoll und sozial und kann dem anderen Kind somit auch noch ganz andere Dinge beibringen. Ab drei Jahren dann wird der soziale Kontakt noch deutlich wichtiger, denn jetzt geht es tatsächlich ans gemeinsame Spiel und den Ausbau sozialer Fähigkeiten. Der Kontakt mit anderen von Geburt an, bereitet darauf vor und kann bereits erste Verknüpfungen aufbauen. 
Auch wenn Freundschaft also noch keine sonderlich große Rolle spielt und das Baby seine Zuneigung, Anerkennung und Liebe über seine Eltern bezieht, zeigt es doch: Schon die Kleinsten sind soziale Wesen, auf den Kontakt mit anderen Menschen angewiesen und nehmen diesen als Anlass zur Freude.