Wie Babys durchschlafen lernen

Wie Babys durchschlafen lernen
Foto: shutterstock / Tomsickova Tatyana / Author: Eva Sorantin


Laut einer britischen Studie finden 66 Prozent aller Eltern in den ersten zwei Lebensjahren ihres Kindes weniger als vier Stunden Schlaf pro Nacht. Um leistungsfähig zu bleiben, sollten es mindestens fünf Stunden sein. Was aber tun, wenn der Nachwuchs regelmäßig die Nacht zum Tag macht? Hier einige Tipps, wie Sie mehr Ruhe in Ihr Schlafzimmer bringen ...

Die Basics

Der Raum, in dem das Baby schläft, sollte gut gelüftet und nicht zu warm sein - eine Raumtemperatur von rund 20 Grad gilt als ideal. Achten Sie darauf, dass die Sauerstoffzufuhr durch nichts behindert wird. Besser als eine Decke ist ein Schlafsack; dadurch lässt sich vermeiden, dass sich das Baby beim Strampeln die Decke über den Kopf zieht. Am besten überhaupt kein Kopfkissen, "Babynest" oder Schaffell verwenden! Kleine Babys sollten bei ihren Eltern schlafen - entweder im eigenen Bettchen oder im Beistellbett. Selbstverständlich darf in diesem Raum nicht geraucht werden. Vermeiden Sie auch Elektrosmog durch Handys oder andere Elektrogeräte. Achtung: Gerade Babyphone erzeugen mitunter viel Elektrosmog – unbedingt auf ein strahlungsarmes Gerät achten!

Rituale

Wenn nur ein gut gelüftetes Zimmer mit angenehmem Raumklima ausreichen würde, um jedes Baby sofort in den erholsamen Nachtschlaf fallen zu lassen! Um einschlafen zu können, müssen Babys sich beruhigen können, sich selbst regulieren, wie es im Fachjargon heißt. Während viele Winzlinge damit kein Problem zu haben scheinen, ist die Fähigkeit zur Selbstregulation bei manchen Babys noch nicht ausgeprägt, es bedarf daher der Unterstützung durch die Eltern. Hier lautet das Motto: so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Hebamme Traude Trieb aus Tattendorf in Niederösterreich empfiehlt eine täglich gleich ablaufende Abendzeremonie, um dem Kleinen den Übergang vom Tag zum Abend und damit zum Schlafen zu erleichtern.

Baden, füttern bzw. stillen Sie Ihr Kind, singen Sie ihm vor, streicheln Sie es und gehen Sie aus dem Zimmer. Sollte es dann schreien, geben Sie ihm zumindest fünf Atemzüge lang Zeit, sich selbst zu beruhigen - auf keinen Fall aber länger! Natürlich schläft jedes Kind irgendwann einmal erschöpft vor lauter Schreien ein, das aber resigniert und mit dem Gefühl, allein gelassen zu sein.

Kuscheltier, Schmusedecke & Co.

Was das Einschlafen für Babys außerdem schwierig macht: die erwartete Trennung von Mama und Papa. Hier kann ein Schmusetuch, ein Polster, ein Kuscheltier oder auch ein T-Shirt helfen, das nach Mama riecht. Dieses sogenannte Übergangsobjekt erleichtert dem Baby die schmerzhafte Trennung!

Geborgenheit durch Pucken

 Manche Babys erschweren sich durch unkontrolliertes Herumstrampeln selbst das Einschlafen. Oder sie vermissen die wohlige Enge der Gebärmutter. So genau wird man das wohl nie wissen ... Tatsache ist aber: Pucken hilft bei manchen Neugeborenen und Säuglingen wahre Wunder. Darunter versteht man eine uralte Wickeltechnik, nach der das kleine Baby mit einer Decke oder einem Pucksack eng umschlungen und eingewickelt wird. Dass sein Bewegungsspielraum solcherart begrenzt ist, übt auf viele Babys eine beruhigende Wirkung aus. Achtung: Bei Babys mit verzögerter Hüftentwicklung bitte vorher mit dem Kinderarzt sprechen!

Sanftes Schaukeln macht müde

Manche kleinen Brüllaffen finden in einer Federwiege leichter in den Schlaf als im Bettchen. Die Federwiege kann man sich als eine Art Hängematte - allerdings mit Matratze - vorstellen, die an einer dicken Stahlfeder aufgehängt wird. Auf diese Weise schränkt sich, ähnlich wie beim Pucken, der Bewegungsspielraum etwas ein, außerdem schaukelt die Federwiege bei jeder Bewegung des Babys sanft mit. Eltern können beim Einschlafen auch ein wenig nachhelfen. Insbesondere Babys, die gerne im Tragetuch schlafen, lieben meist auch die Federwiege.

Geräuschkulisse

In einer Schrei- und Schlafambulanz bekommt man den folgenden Ratschlag wahrscheinlich nicht zu hören, viele Eltern schwören aber darauf: Vollständige Stille macht Babys oft nervös, sie fühlen sich alleine - ertraute Geräusche hingegen wirken beruhigend. Es soll Säuglinge geben, die nur bei Staubsauger-, Waschmaschinen- oder Föhnlärm friedlich einschlummern ... vielleicht nicht unbedingt die nachhaltigste Einschlafhilfe! Zur Not tut es aber auch ein gleichmäßig schnarchender Kindervater!

Es werde Licht!

Vollständige Dunkelheit in der Nacht ängstigt viele Erwachsene - wie muss es dann erst den kleinen Erdenbürgern gehen! Viele Kinder schätzen ein Nachtlicht oder den gedämpften Schimmer einer Salzkristall-Lampe gegen das Dunkel. Umgekehrt kann man gerade im Sommer mit einer heruntergelassenen Jalousie noch die eine oder andere halbe Stunde Morgenschlaf herausholen.

Babymassage

Hebamme Traude Trieb empfiehlt vor dem Schlafengehen noch eine Babymassage. Viele Winzlinge entspannen sich unter den sanften Berührungen und werden ganz ruhig.

Weniger ist mehr

Verzweifelte Eltern probieren oft ein Beruhigungsritual nach dem anderen aus: Sie wippen mit dem Baby im Arm auf dem Pezziball, tragen es herum, singen … um dann verzweifelt wieder von vorne zu beginnen. Hier gilt: Weniger ist mehr! Denn zu viele "Attraktionen" machen das Baby nur noch nervöser. Lieber eine Zeitlang bei einer Methode bleiben und zumindest zehn Minuten lang warten, ob sie wirkt.

Die gute Nachricht zum Schluss:

Mit einem Jahr schläft jedes zweite Baby durch. Wobei "Durchschlafen" relativ ist - man definiert selbiges mit einer durchgehenden Schlafphase von fünf Stunden ... immerhin!
In diesem Sinne: Gute Nacht!



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