Du verstehst mich nicht!

Du verstehst mich nicht!
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Verzeihen Sie, werte Leserin und werter Leser, dass dieser Artikel mit einem schlüpfrigen Witz beginnt: Ein Pärchen ist gerade in einem zärtlichen Tete-a-tete vereint. Mittendrin fragt die Frau: "Sag, liebst du mich?" Der Mann antwortet: "Ja klar, oder glaubst du, ich mache hier Liegestütze?"


Zugegeben, der Scherz hat schon einige Jährchen am Buckel; und den Grad des Humors hinterfragen wir lieber nicht. Aber die Pointe trägt einen wahren Kern in sich: Männer und Frauen sprechen nicht dieselbe Sprache, obwohl Vokabular und Grammatik ident sind.


Für Frauen steht die Emotion im Vordergrund

Für Frauen steht der emotionale Inhalt im Vordergrund der Botschaft. Die exakte inhaltliche Definition der gebrauchten Wörter ist zweitrangig und wird, um die Gefühlswelt noch intensiver zu beschreiben, zugunsten der Übertreibung aufgegeben. Von den Gesprächspartnern wird Flexibilität erwartet und die Bereitschaft, die äußerste Bandbreite an Interpretationsmöglichkeiten auszuschöpfen. Doch Metaphern oder blumige Umschreibungen sind eines Mannes Sache nicht. Seine Sätze sind kürzer und einfach strukturiert; er nimmt alles wortwörtlich und handelt auch dementsprechend. Während eines Streites sagt eine Frau oft: "Schrei mich nicht an!" Ihr Mann reagiert erstaunt, denn er war zwar wütend, aber nicht laut geworden. Was er nicht verstand: Seine Partnerin hatte es nicht wortwörtlich gemeint, sondern derart die angespannte Situation beschrieben.

 

Männliche und weibliche Gehirne arbeiten unterschiedlich

Warum das so ist (und bitte, nicht vergessen, es gibt Ausnahmen von der Regel), begründet sich durch die unterschiedliche Arbeitsweise von männlichen und weiblichen Gehirnen. Untersuchungen zeigten, dass sich die linke Gehirnhälfte, die für die Sprache zuständig ist, bei Mädchen schneller entwickelt als bei Jungen. Ein drei Jahre altes Mädchen verfügt im Normalfall über einen doppelt so großen Wortschatz wie ein gleichaltriger Bub. Bei ihm bildet sich die rechte Gehirnhälfte schneller aus; seine räumlichen-visuellen und logischen Wahrnehmungen entfalten sich besser. Und während Frauen an mehreren Stellen im Gehirn Sprechzentren besitzen, haben Männer keine einzige. Deshalb lernen Mädels auch leichter Fremdsprachen und finden sich besser in Grammatik und Rechtschreibung zurecht.
Der Grund liegt, vereinfacht ausgedrückt, in der Vergangenheit des Menschen. Das Gehirn wurde über zehntausenden von Jahren programmiert und lässt sich nicht einfach per Knopfdruck auf das 21. Jahrhundert umstellen. (Es fällt schon schwer genug, sich von den männlich dominierten Sprachformen zu lösen. Das Jahrtausendealte Patriarchat in Verbindung mit einer frauenabwertenden Religion fand natürlich seinen Widerhall in der Sprache. Um nur ein Beispiel zu nennen: Meistens existiert kein eigenständiges weibliches Pendant eines Substantivs, sondern besteht nur aus dem Anhängsel "-in": So wird aus dem Doktor die Doktorin, wenn man sich nicht für die Anrede "Frau Doktor" entscheidet.) Männer waren Jäger, die oft schweigend auf ihre Beute warten mussten. Munteres Geplauder wäre in dieser Situation eher kontraproduktiv gewesen. Hingegen erwies sich eine schnelle Reaktion auf visuelle Wahrnehmungen ("Schnell weg, da ist ein Säbelzahntiger!") als unschätzbarer Vorteil.

 

Frau vs. Mann: 20.000: 7.000 "Kommunikationsträger"

Die Aufgabe der Frauen bestand darin, die Kinder großzuziehen. Das gelang am besten in der Gemeinschaft. Um das Zusammengehörigkeitsgefühl der Horde zu stärken, mussten Aggressionen und Streitigkeiten vermieden werden - und das funktioniert nun mal am besten durch reden.
Der Spruch: Ein Mann, ein Wort; eine Frau, ein Wörterbuch muss in diesem Fall positiv interpretiert werden: Eine Frau kann zwischen 6.000 und 8.000 Wörter am Tag von sich geben. Rechnet man noch Gesten, Gesichtsausdrücke oder Körpersignale hinzu, ergibt das rund 20.000 "Kommunikationsträger" pro Tag. Im Vergleich dazu kommt ein Mann in Summe auf dürftige 7.000 "Kommunikationsträger". Am Ende des Tages hat er meistens sein Quantum an Kommunikation erfüllt. Jetzt möchte er in Ruhe (und ohne Geplauder) in den Fernseher starren und seinen Mammutknochen abnagen.

 

Männer wurden zu "Problemlösern"

Die Evolution ließ Männer zu "Problemlöser" werden (nach dem Motto: "Das verdammte Mammut läuft weg. Schnell eine Idee!"). Frauen hingegen möchten sich oft nur Stress oder Probleme von der Seele reden. Es ist außerdem ihre Art zu zeigen: Du bist mir wichtig, weil ich dich an meiner Gefühls- und Gedankenwelt teilhaben lasse. Als Mann müsste man nichts anderes tun als zuzuhören. Aber nein, sofort springt das Gehirn auf die Problemlösungsfunktion. Der ehemalige Jäger ist tatsächlich davon überzeugt, dass es ihr nach seinen Lösungsvorschlägen besser geht. Er sprudelt geradezu vor Ideen... und ist enttäuscht, weil sie enttäuscht ist und ihm vorwirft, er höre niemals zu.

 

Frauen können über mehrere Themen gleichzeitig sprechen

Dazu kommt, dass die speziellen weiblichen Sprachzentren Frauen ermöglichen, gleichzeitig über mehrere Inhalte sprechen zu können. Sie jonglieren geradezu mit unterschiedlichen Themen. Das männliche Gehirn ist aber einspurig angelegt; mehrere Kommunikationsebenen überfordern es heillos. Der Mann geht automatisch auf Standby. Der weibliche "Standard-Vorwurf", er höre nicht zu, stimmt in diesem Fall nur bedingt. Doch, er hat die Ohren gespitzt; sein Gehirn kann's nur nicht so schnell verarbeiten, deswegen "überhört" er vieles. Seine Sprache ist problemorientiert aufgebaut und muss Satz für Satz zu Ende geführt werden. Wenn nicht, hat er das Gefühl, permanent unterbrochen zu werden, und das mündet in den männlichen "Standard-Vorwurf": "Du lässt mich nie ausreden!"


Männer verfügen nicht über die Ausdrucksfähigkeit der Frauen

Die Differenzierung, mehrere Dinge parallel tun zu können oder eben nicht, kristallisiert sich sehr oft vor der Glotze heraus. Frauen, die gemeinsam fernsehen, plaudern gleichzeitig fröhlich miteinander. Das gesellige Beisammensein steht im Mittelpunkt; TV wird nebenbei geschaut. Die männliche Reaktion besteht meistens in einem genervten "Jetzt seid doch mal still!". Das angeblich starke Geschlecht kann entweder reden oder schauen; beides auf einmal ist eine echte Herausforderung. Wenn Männer sich einen Film ansehen, grunzen sie ab und zu einen Satz wie: "Wirf die Chips rüber!". That's it. Es genügt ihnen, schweigend nebeneinander zu sitzen und zu starren. Deswegen ist Angeln auch so ein beliebter Männerzeitvertreib.
Die Herren der Schöpfung verfügen nicht über die Ausdrucksfähigkeit der Frauen. Deshalb ziehen sie es auch vor, mit sich selbst über ein Problem zu diskutieren. "Lass mich mal ein Weilchen darüber nachdenken" - und das tut er auch, in einem inneren Monolog. So lange, bis eine Lösung für das Problem gefunden wurde. Erst dann macht er wieder den Mund auf.

 

"Miteinander reden" - das weibliche Aphrodisiakum Nr. 1

Was hat das alles nun mit Sex zu tun? Ganz einfach: Die "unterschiedliche" Sprache ist die Quelle vieler Missverständnisse... natürlich auch beim Sex. Oder besser gesagt, vor dem Sex. Wenn im weiblichen Gehirn Sprache als Mittler der Emotion einprogrammiert ist, dann möchte sie auch mit Sprache verführt werden; Frauen sind auditiv und emotional verlangt. Untersuchungen zeigen, dass das "miteinander Reden" ganz oben auf der Liste der Dinge steht, die Frauen antörnt. Und die damit verbundene Spannung, die die Atmosphäre langsam zum Prickeln bringt.
Männer, die großen Schweiger, brauchen im Gegensatz dazu ungefähr dreißig Sekunden, um die Libido in Schwung zu bringen. Er benötigt keine Worte; oft genügt schon ein Blick ins Dekolleté der "Gesprächspartnerin". Deshalb tut er sich auch schwer, beim Rendezvous die richtigen Sätze zu finden. Obwohl er weiß, reden gehört irgendwie dazu. Muss Mann wohl; schließlich sind die Zeiten, wo Mann dem Weibchen die Keule über den Scheitel und sie selbst anschließend an den Haaren in die Höhle zog, längst vorbei. Oder?

 

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