Mein, nein, unser Geld!

Mein, nein, unser Geld!
Foto: shutterstock/Dmitry Melnikov


Gestern Abend schoss ich meine beiden Kinder auf den Mond. Zumindest in Gedanken. Die tatsächliche Ausführung scheiterte daran, dass mir neben den technischen Voraussetzungen auch die moralische Unterstützung meiner Herzallerliebsten fehlte. Deshalb packte ich die beiden am Krawattl und sperrte sie in ihr Zimmer. Dort sollten sie über ihre Missetaten nachdenken. Zwar war mir die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens durchaus bewusst; tatsächlich rechnete ich keine Sekunde lang damit, dass ein Vierjähriger und eine Einjährige den Pfad der Einsicht betreten würden - noch dazu gemeinsam. Aber ich brauchte eine Atempause.

 

Fiasko statt Romantik

Unser Dinner hatte sich wieder einmal als Fiasko entpuppt. Der Versuch, nicht einfach nur Kalorien irgendwie in uns hineinzuschaufeln, sondern dies in einer halbwegs harmonischen und zivilisierten Art und Weise, endete damit, dass der Tisch aussah, als ob eine Horde Wikinger ein Saufgelage veranstaltet hatte. Als die ersten Hühnerflügeln, von der bleiernen Last der Schwerkraft befreit, durch die Gegend schwirrten und sich das zarte Blau des Tischtuchs ob des ausgezeichneten, doch ausgeschütteten Bordeaux in ein kräftiges Purpur verwandelte, platzte mir der Kragen. Manu versuchte mich zu trösten: "Na ja, wir wollten ja unbedingt Kinder!"
Ich sah sie giftig an: "Ich wollte einen Dackel! Kannst du dich noch erinnern, wie das war, als wir noch ein Candlelight-Dinner ungestört genießen konnten? Erinnerst du dich an unser Restaurant am Strand von Amalfi, der Mondenschein, die Musik, der Wein ... Das fehlt mir. Vielleicht sollten wir wieder einmal hinfahren ... Was spricht dagegen?"

 

Das liebe Geld

"Das Minus auf unserem Bankkonto", meinte meine Herzallerliebste trocken. "Vergiss nicht, ich kann im Moment fast gar nichts zu unseren Finanzen beitragen. Für Amalfi musst du noch viele Artikel für NEW MOM schreiben ..."
Leider musste ich ihr Recht geben; es war gar nicht so leicht, plötzlich nur mit einem Gehalt auszukommen, noch dazu zu viert. Keine Frage, wir mussten uns einschränken. Vieles, das früher zwar durchaus als Luxus, aber dennoch als lebensnotwendig und damit als unverzichtbar klassifiziert worden war, erwies sich im Nachhinein als durchaus abkömmlich.

 

Kein eigenes Einkommen zu haben nagt am Selbstwertgefühl!

Nicht missverstehen, Geld alleine ist nicht alles. Als Manu und ich entschieden, Kinder in die Welt zu setzen, war uns klar, dass unser Leben einige gewaltige Veränderungen durchlaufen würde ... auch in finanzieller Hinsicht. Da ich besser verdiente als meine Frau (das hat in Österreich Tradition, ist Mann fast schon versucht zu schreiben), hatten wir beschlossen, dass meine Herzallerliebste bei den Kiddies blieb. Von heute auf morgen stand Manu ohne eigenes Einkommen da und war mehr oder weniger auf mein Geld angewiesen. Ein Gedanke, an den sie sich nur schwer gewöhnen konnte, schließlich hatte sie fast ihr ganzes Leben lang gearbeitet und war immer finanziell unabhängig von ihrem Partner gewesen. Das sollte sie jetzt plötzlich aufgeben ...?
Am Anfang unserer Beziehung hatten wir ein ganz einfaches Abkommen getroffen: Unsere monatlichen Fixkosten wurden entsprechend unseres jeweiligen Einkommens prozentuell aufgeteilt. Größere Anschaffungen wurden gemeinsam abgesprochen und ebenfalls aliquot aufgeteilt. Das Einkommen meiner Frau stellte einen wesentlichen und wichtigen Teil unseres Haushaltbudgets dar. Ohne taten wir uns schon wesentlich schwerer, wie bereits erwähnt.

Manus Einsatz als Mutter und Hausfrau betrachte ich eigentlich als unbezahlbar. Was sie hier leistet, ist echte Schwerstarbeit; Hut ab vor allen Müttern und Hausfrauen dieser Welt. Um ganz ehrlich zu sein, ich bin davon überzeugt, dass ich den leichteren Job habe. Ich weiß nicht, ob ich die Kraft, vor allem die Nervenstärke hätte, ununterbrochen von den beiden, zugegeben, süßesten und hübschesten, dessen ungeachtet aber penetrantesten Nervensägen der Welt umgeben zu sein.

 

Arbeit ist, was Männer als Arbeit definieren!

Tatsache ist aber, dass die wenigsten Männer mit mir in diesem Punkt einer Meinung sind. Das Dasein als Mutter und Hausfrau wird nicht wirklich als "Beruf" angesehen. In der Vorstellung der meisten Männer ist das "bisschen Haushalt" keine große Sache und kann ohnehin so nebenbei erledigt werden; in der männlichen Gedankenwelt genießen die Frauen ab dem Moment des Mutterschutzes sozusagen eine vom Staat geförderte Urlaubszeit. In unserer patriarchalen Gesellschaft wird nur das als Arbeit akzeptiert, was wir Männer als Arbeit definieren. Dass jede Schwangerschaft schon ein hartes Stück "Arbeit" ist, die bei Geburt und anschließender Kinderbetreuung ihre Fortsetzung findet, übersteigt das Fassungsvermögen der meisten männlichen Köpfe. Bezahlte Arbeit wird als wichtiger angesehen als unbezahlte - was es Hausfrauen auch nicht leichter macht, ihre Männern vom Wert ihrer Arbeit zu überzeugen bzw. von ihren Männern Wertschätzung für ihre Arbeit zu erhalten. Ohne an dieser Stelle eine politische Überzeugung kundzutun: Ich persönlich bin davon überzeugt, dass Vater Staat jeder Hausfrau für ihre Arbeit ein Gehalt zahlen müsste. Doch vielleicht verbirgt sich hinter dem jetzigen System einfach nur das alte Spiel: Wer das Geld hat, hat die Macht.

 

Der Mann im Haus

In vielen Familien wird der Mann nach wie vor als der "Ernährer" angesehen; schließlich bringt er das Geld nach Hause. Dafür erwartet er sich Respekt; dafür betrachtet er sich als Herr im Haus. Und wenn er schon das Geld nach Hause bringt, dann möchte er auch bestimmen, wie es ausgegeben wird. Die "gemeinsame" Kassa ist in Wirklichkeit keine. Mein Bankberater, den ich schon seit rund 15 Jahren kenne, erzählte mir unter dem Siegel der Verschwiegenheit, dass nach wie vor viele Frauen von ihren Männern keine Zugangsberechtigung zum "gemeinsamen" Konto bzw. keine eigene Bankomatkarte erhalten, weil die Herren der Schöpfung damit keine Kontrolle über die Geldausgaben hätten.

 

Gleichberechtigung

Frauen haben in den letzten Jahrzehnten viel erreicht und mischen fast überall mit. Sie stellen jeden Tag im Beruf ihren Mann, nehmen gesellschaftlichen und politischen Einfluss und stehen finanziell auf eigenen Beinen - und das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Aber gerade deswegen kann es manchmal umso schwerer fallen, auf das Einkommen des Mannes zurückzugreifen. "Ich hatte das Gefühl, ich müsste mich jedes Mal entschuldigen, wenn ich etwas kaufte, das nicht für die Kinder oder den gemeinsamen Haushalt war", stellte unsere Freundin Lina, Mutter von drei Kindern, fest. "Das führte ziemlich oft zu einem Streit, auch, weil ich damit mein schlechtes Gewissen kompensierte".
Manu und ich konnten in diesem Punkt Streitigkeiten völlig vermeiden. Offensichtlich konnte ich meine Herzallerliebste davon überzeugen, dass ich ihre Arbeit und ihr Engagement sehr schätze und für wirklich "wert"voll halte.


Unser Tipp: Ein Haushaltsbuch und ein Stückchen Unabhängigkeit!

Unser Tipp sieht so aus: Wir werfen unser gesamtes Einkommen in einen Topf. Ein Finanzplan und ein Haushaltsbuch helfen, den Überblick zu bewahren und zu erkennen, was man sich leisten kann und was nicht. Wir versuchen beide, genau aufzuzeichnen, wofür wir beide wie viel ausgegeben haben. So bewahren wir Überblick, und so wird auch relativ schnell klar, wie viel Monat am Ende des Geldes noch übrig ist. Grundsätzlich gilt: Größere Anschaffungen werden nicht ohne vorherige Absprache gekauft. Egal ob es sich um Möbel, Spielzeug oder um den gemeinsamen Urlaub handelt - es wird alles zusammen geplant und durchgerechnet. Manu hat sich ihr Konto und damit ein Stückchen Unabhängigkeit behalten. Ein kleines Sümmchen zweigen wir immer ab, darüber kann sie frei verfügen, ohne Rechenschaft ablegen zu müssen. So funktioniert’s eigentlich ganz gut.


Und jetzt muss ich Schluss machen, werte Leser. Ich muss nämlich meine Kinder wieder vom Mond holen.


Weitere empfohlene Artikel: