Väter in Karenz

Väter in Karenz
Foto: shutterstock/Brendan Delany


Gerade mal 3,5 Prozent aller österreichischen Väter gehen in Karenz, also etwa 5.400 Männer. Immerhin, denn vor sechs Jahren waren es noch unter zwei Prozent. Viel weiter kann man die Zahl nicht zurück verfolgen, denn eine echte Vaterkarenz gibt es hierzulande erst seit dem Jahr 2000. Nach einer dringenden Forderung der EU wurde auch Vätern das Recht zugebilligt, sich eine Zeit lang ganz oder teilweise aus ihrem Job auszuklinken, um ganz und gar Papa zu sein.


Kündigungsschutz: Ja, aber

Die Karenzregelung funktioniert analog zu jener der Mütter: Nach der Geburt eines Kindes mit Ende des Mutterschutzes - Vaterschutz gibt es nicht - kann jeder Vater in Karenz gehen. Diese muss mindestens drei Monate und darf maximal zwei Jahre dauern. Diese zwei Jahre kann man sich mit der Partnerin teilen, bis zu zwei mal darf abgewechselt werden. Gleichzeitig in (Teilzeit-)Karenz gehen, wie es zum Beispiel in Deutschland möglich ist, können die beiden Elternteile nicht. Wie bei den Müttern gilt auch für Väter in Karenz ein Kündigungs- und Entlassungsschutz, der bis vier Wochen nach Ende der Karenzzeit gilt. Theoretisch gilt dieser Schutz auch vor Antritt der Karenz ab Bekanntgabe. Da werdende Väter nicht schwanger sind, gibt es da allerdings einige Fallstricke zu beachten. Man sollte die Karenz keinesfalls vor der Geburt und nicht früher als vier Monate vor Antritt bekannt geben, zu diesem Zeitpunkt besteht nämlich noch kein Kündigungsschutz. Nach der Geburt heißt es aber handeln: Wenn man gleich zu Beginn die Karenz antreten möchte, muss der Arbeitgeber das spätestens acht Wochen nach der Geburt wissen. Wenn man seine Partnerin ablöst, muss die Meldung spätestens drei Monate vor Ende des Karenzteils der Mutter erfolgen. Hier gilt es, sich genau zu informieren, sonst ist der Kündigungsschutz dahin.


Neue Rollen

Und der ist, wie der Fall Antoine Hauska zeigt, dringend notwendig. Noch ist das Verständnis der Unternehmen für Väter, die in Karenz gehen, eher gering. Das ist ein Grund für die geringe Zahl der Karenzväter, wie eine Studie der Forschungsstelle Männerberatung Graz zeigt, die letztes Jahr im Auftrag der Entwicklungspartnerschaft "Karenz und Karriere" erstellt wurde. Als hinderlich erweist sich auch das traditionelle Rollenverständnis der Österreicherinnen und Österreicher: Viele Männer sehen sich gerne als Ernährer, viele Frauen für die Familienbetreuung prädestiniert. Wer das Schema durchbricht, muss sich schnell einmal rechtfertigen. Mängel sehen die Autoren der Studie auch im Kinderbetreuungs-Angebot und bei der finanziellen Kompensation der elterlichen Arbeit. Männer verdienen im Schnitt mehr als Frauen, deshalb ist eine Vaterkarenz oft mit empfindlichen finanziellen Einbußen verbunden. In diesem Zusammenhang kritisiert die Studie auch die Zuverdienstgrenze beim Kindergeld, die es vielen gut verdienenden Vätern praktisch unmöglich macht, mit ihrem Arbeitgebern eine vernünftige Teilzeit-Karenzregelung zu finden. Dabei sollte das Kindergeld den Vätern die Karenz schmackhaft machen: Wenn auch der zweite Elternteil in Karenz geht, verlängert sich der Kindergeldbezug auf 36 Monate.

 

Beispiel Skandinavien

Die Väterkarenz scheitert also oft an den gesetzlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel anderer europäischer Länder. Besonders Skandinavien wird gerne als Vorbild herangezogen. Im kleinen Island zum Beispiel gehen acht von zehn Männer in Karenz. Der Grund: Wenn der Vater das nicht tut, werden der Familie drei Monate von der Karenz abgezogen. Noch wichtiger ist jedoch, dass man als Mann oder Frau in Karenz in Island 80 Prozent des letzten Verdienstes bezieht, so wie es auch in Schweden ist. Dafür sind die Karenzzeiten kürzer, ein Jahr in Schweden, neun Monate in Island. Die Erfahrungen aus Skandinavien zeigen, dass gerade diese kurzen, gut bezahlten Karenzzeiten dafür sorgen, dass Kinder und Karriere sich nicht mehr ausschließen. Und das motiviert gerade Väter, sich stärker in die Familienarbeit einzubringen - auch nach der Karenz. Voraussetzung dafür sind jedoch hochwertige, flexible und ausreichende Kinderbetreuungsplätze. In Schweden hat jedes Kind ab dem 1. Geburtstag das Recht auf einen Betreuungsplatz. Davon profitieren Kinder, Mütter, Väter und Unternehmen, die ihre Mitarbeiter trotz Kindersegen zeitig wieder an Bord haben. Der einzige Wehmutstropfen: Das schwedische Sozialsystem verursacht immense Kosten, die sich in rekordverdächtig hohen Steuern niederschlagen.

 

 

Gekündigt statt karenziert: Antoine Hauska

Vor genau einem Jahr habe ich bei meiner Firma um Teilzeitkarenz angesucht. Einen Tag später haben sie mich gekündigt und gleich freigestellt. Das ist ein amerikanisches Unternehmen, die nach der "Hire and Fire"-Mentalität funktionieren. Scheinbar wollte die Firma 110 Prozent der Mitarbeiter haben. Ich bin dann ein halbes Jahr arbeitslos gewesen und jetzt seit zwei Monaten selbständig. Das Kindergeld bekommt weiterhin meine Frau. Tatsächlich kümmere ich mich hauptsächlich um unseren Martin. 


Ich habe aus einer früheren Beziehung schon eine Tochter und wollte damals schon in Karenz gehen, das war mit ihrer Mutter nicht möglich. Jetzt wollte ich es besser machen. Ich war letzten Sommer auf Urlaub, und da ist mir aufgefallen: Jetzt ist eine schöne Zeit mit dem Kleinen. In vier, fünf Jahren wird er im Kindergarten und dann in der Schule sein, da wird er weniger Zeit für mich haben. In fünfzehn Jahren macht er sowieso, was er will. Die beste Zeit, die man mit einem Kind verbringen kann, sind die ersten Jahre. 


Ich gehe einmal in der Woche in die musikalische Früherziehung. Da sind zehn Kinder, neun Mütter und ein Vater, das bin ich. Da gab es eine lustige Situation: Die Leiterin hat gesagt, die Mütter könnten sich jetzt setzen. Ich bin dann stehen geblieben.

 

Herbert Six

Ich habe bei meinem ersten Kind, als ich nicht in Karenz war, gesehen, dass mir so viel Zeit mit dem Kind verloren geht. In der Babyphase hätte es aus meiner Sicht und der Sicht meiner Frau wenig Sinn gehabt, zu Hause zu bleiben. Das zweite Jahr hat dann sehr gut gepasst. Ich wollte nicht nur für Patricio mehr da sein, sondern überhaupt mehr daheim sein. Diese Zeit war auch sehr für Mariesol gut, die damals dreieinhalb war. Ich war sehr viel mit beiden Kindern gemeinsam unterwegs. Und auch der Beziehung mit meiner Frau hat diese Zeit sehr gut getan. 


Der Patricio ist im Februar 2001 zur Welt gekommen und ich habe gleich im März bei meinem Dienstgeber, einem Zivilingenieurbüro, angemeldet, dass ich das Jahr 2002 in Karenz gehen werde. Und dann kam das neue Gesetz mit der Möglichkeit, während der Karenz Teilzeit zu arbeiten, und so konnte ich 16 Stunden in der Woche im Büro sein. So war ich nie ganz weg. 


In meinem persönlichen und beruflichen Umfeld war das komplett neu. Meine Eltern haben das nicht verstanden, haben sich wegen dem Geld und meinem Job Sorgen gemacht. Im Büro war ich der erste Mann, der in Karenz ging. Und ich bin der einzige geblieben.

 

Helmut Dörflinger

Bei meinem ersten Kind war ich noch Student, da war ich sozusagen in Karenz ohne Bezahlung. Mein erster Sohn ist jetzt 18, damals gab's kein Karenzjahr. Mein zweiter Sohn Leonard war dann elf Monate, als ich in Karenz ging. Meine Frau ist auch Lehrerin, sie ist das erste und ich bin das zweite Schuljahr nach der Geburt voll in Karenz gegangen. 


Dass ich ein Jahr zu Hause bleibe, das war irgendwie klar. Es war auch für meine Frau ganz wichtig, dass sie nach einem Jahr neu Fuß fassen konnte. Ich habe die Zeit unterschiedlich erlebt. Gut für mich und meinen Sohn war, dass dieses Schönwetter-Papa-Dasein vorbei war. Man hat einfach nicht mehr die Möglichkeit, das Kind abzugeben, wenn es Probleme gibt. Damit gewinnt man viel Sicherheit. 


Ich hatte aber so das Gefühl, du bist in Karenz und alle Welt glaubt, du hast alle Zeit der Welt. Auch zwischen meiner Frau und mir war die Rollenverteilung plötzlich anders. Ich hatte oft das Gefühl, da fehlt auch der Respekt. Wir sind etwas blauäugig in die Sache hinein gegangen und hatten überhaupt nicht geklärt, wer wofür verantwortlich ist. Da haben wir einiges ausstreiten müssen, was aber der Beziehung sehr gut getan hat. Ich verstehe jetzt das Hausfrauendasein, und ich kann's mir für mich nicht mehr vorstellen. Nur zu Hause bleiben ist mir zu langweilig.


 

Links:

http://www.karenzundkarriere.at
http://www.maennerberatung.at