Verhütung reloaded

Verhütung reloaded
Foto: shutterstock/Voyagerix / Author: Elisabeth Sorantin


Der Wunsch nach sicherer und langfristiger Verhütung ist so alt wie die schönste Nebensache der Welt. Im alten Ägypten war man schon auf dem richtigen Weg, aber: gut Ding braucht Weile. Jahrhunderte lang wurde allerorten weiter nach dem idealen Verhütungsmittel gesucht. Die meisten Versuche waren durchaus kreativ, wenn auch wenig wirksam und benutzerfreundlich:  die Palette reichte von Amuletten (z.B. Mäuseherzen), ungustiösen Cocktails über das  "Herausschleudern des Samens sofort nach dem Akte",  bis hin zum "Scheidenbläser".  Hundertprozentiger Schutz:  Den bot nur absolute Enthaltsamkeit. 

 

Bis  1951 der Exilösterreicher Carl Djerassi und sein Kollege Gregory Pincus ihre "Antibabypille"  zum Patent anmeldeten.  Ab 1960 wurde die Pille als Verhütungsmittel freigegeben.

Ihre Methode: Durch die hohe Gabe künstlicher Hormone die Steuerungszentrale im Gehirn so überlisten, dass sie  keine Befehle mehr an die Eierstöcke sendet. Der Zyklus findet nicht mehr statt, der Eisprung bleibt aus. Das Einnahmeschema drei Wochen Einnahme gefolgt von einer Woche Pause sollte durch die Abbruchblutung beweisen, dass es zu keiner Schwangerschaft gekommen war.

Auch das ist bereits Geschichte:  an der Wirksamkeit der Pille zweifelt schon lange niemand mehr. Prof. René  Wenzl, Oberarzt an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Wien: "Die Pille wirkt zuverlässig bei allen Frauen, unabhängig von Alter, ethnischer Zugehörigkeit und Körpergewicht.  Egal auf welchem Kontinent,- die Dosis wird nie angepasst, volle Effizienz mit geringsten Nebenwirkungen - sehr beeindruckend".  

Übrigens: die modernen Nachfahren der Pille sind "Mikropillen", d.h. Kombinationspillen mit einem Östrogengehalt von unter 50 Mikrogramm pro Dragee.


 

Prof. Wenzl zu weiteren Fragen rund um Pille und co:

Können Nebenwirkungen wie Wassereinlagerungen verringert oder vermieden werden?

Ja, durch das moderne Gestagen "Drospirenon".

 

Was ist mit Frauen, die keine synthetischen Östrogene nehmen dürfen oder wollen?

Für sie gibt es reine Gestagenpräparate.

 

Kann die Pille die lästige Phase der Tage vor den Tagen erleichtern?

Die neue Pille "YAZ" ist sogar für die Behandlung von schweren Form von PMS zugelassen. Einerseits enthält sie das Gestagen "Drospirenon", andererseits minimiert das neuartige Einnahmeschema mögliche Hormonschwankungen: 24 Tage lang wirkstoffhaltige Tabletten gefolgt von vier Tagen mit wirkstofffreien Tabletten.

 

Jedes Monat eine Blutung, muss das sein?

Nicht mit dem dreimonatigen Langzyklus, d.h. drei Zyklen die Pilleneinnahme ohne Pause, gefolgt von einem Zyklus mit Pause und leichter Entzugsblutung.

 

Muss die Pillenpause sein?

Nein, halten Sie sich an die Kontrolluntersuchungen und nutzen Sie Ihre Methode, solange Sie wollen - bis zur Menopause oder bis zur nächsten Schwangerschaft.

 

Müssen die Hormone unbedingt geschluckt werden?

NuvaRing und Hormonpflaster geben die Hormone über die (Schleim)haut ab.

 

Muss ich jeden Tag an Verhütung denken?

Nicht bei Dreimonatsspritze, Hormonimplantat und Spirale.

 

Kann man die Vorteile von Pille und Spirale kombinieren?

Die Antwort heißt Hormonspirale (Mirena).

 

Was gibt es sonst noch Neues? 

Die Goldspirale ("Gold T") kommt ganz ohne Hormone aus und ist besonders verträglich.

 

Nichts Neues:  Ein ausführliches Beratungsgespräch ist unerlässlich.

 

Gibt es auch Unterstützung bei der natürlichen Verhütung? 

Der Persona Zykluscomputer kann Urintests auswerten und so das individuelle Zyklusmuster erkennen, falls Ihr Zyklus nicht kürzer als 23 Tage oder länger als 35 Tage ist. Nach zwei Zyklen Lernzeit zeigt er  fruchtbare und unfruchtbare Tage mit 94%iger Sicherheit an. Das entspricht einem Pearl Index von 6,5.

Alles in allem eine deutliche Verbesserung der altägyptischen Methoden.

 

P.S. Vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt nur die Kombination aus Kondom, Hepatitis - und HPV Impfung.


Mag. Elisabeth Sorantin

http://www.verhuetungsmuseum.at/