Ist ihr Kind ein Superhirn?

Ist ihr Kind ein Superhirn?
Foto: shutterstock/Oksana-Kuzmina / Author: Alexandra Khoss


Unter 50 Kindern befindet sich statistisch gesehen ein hochintelligentes Kind. "NEW MOM" weiß, wie Sie herausfinden, ob Ihr Kind in diese Gruppe fällt ... und wie Sie am besten damit umgehen!

Was ist hochintelligent?

Sie alle zählten zum Kreis jener, die als hochintelligent zu bezeichnen sind. Von Hochintelligenz spricht man, wenn jemand einen Intelligenzquotienten von 130 und mehr aufweist. Zwei Prozent der österreichischen Bevölkerung erreichen diesen Wert - was immerhin 160.000 Menschen in diesem Land entspricht. Gut möglich, dass auch Ihr Kind mit überdurchschnittlich hoher Intelligenz gesegnet ist. Doch was dann?

Erste Anzeichen rechtzeitig erkennen

Maja Balik sitzt im Vorstand von Mensa-Österreich, einem Verein zur Förderung hochintelligenter Menschen. Dass die Unternehmerin zu Mensa kam, verdankt sie ihrer Tochter, die bereits im Alter von vier Jahren lesen konnte. Dies veranlasste die Mutter, die Intelligenz ihres Kindes von einem Psychologen testen zu lassen. Dass ihre mittlerweile 20-jährige Tochter gewieft ist, war für Maja Balik aber schon weit früher zu erkennen: "Im Alter von nur wenigen Monaten blickte sie zum Beispiel zur Deckenlampe, sobald ich zum Lichtschalter griff". Hochintelligenz drückt sich unter anderem in der Fähigkeit aus, logische Zusammenhänge blitzschnell zu erkennen.

Intelligenz oder Begabung - ein Unterschied

Hochintelligenz und Hochbegabung werden häufig als Synonyme in einen Topf geworfen - tatsächlich ist es aber nicht ein- und dasselbe. Peter Kemptner, Öffentlichkeitssprecher von Mensa: "Eine hohe Intelligenz bedeutet gute kognitive Fähigkeiten, also gute Möglichkeiten, mit angebotener Information umzugehen. Sie kann für eine hohe Begabung hilfreich sein, muss es aber nicht". Unter einer hohen Begabung hingegen versteht man eine Anhäufung von Fähigkeiten, die wiederum beim Erlernen bestimmter Fertigkeiten hilfreich sind.


Intelligenz überprüfen lassen

Bei Psychologen kann man einen IQ-Test machen lassen - und zwar jederzeit und bei jedem Kind jeden Alters, auch wenn kein Verdacht auf Hochintelligenz besteht. Wenn ein Kind als hochintelligent eingestuft wird, kann es dem Verein Mensa beitreten. Mensa selbst testet Kids erst ab einem Alter von 16 Jahren. "Vor dem Test muss sich niemand fürchten", ermutigt Balik, die nicht nur ihre Tochter untersuchen ließ, sondern sich auch selbst dem IQ-Test stellte. Dabei fand sie heraus, dass sie ebenfalls hochintelligent ist. "Jeder ist in der Lage, die Aufgabenstellungen zu lösen - mit dem Unterschied, dass hochintelligente Personen dazu wesentlich weniger Zeit benötigen.“

Jung und Alt zusammen

Ziel von Mensa ist es, eine stimulierende intellektuelle und soziale Umgebung für die Mitglieder des Vereins zu schaffen. "Es ist ein wunderbares Gefühl, mit Menschen zu diskutieren, die eine ebenso rasche Aufnahmefähigkeit haben wie man selbst", beschreibt Balik die Atmosphäre. Als ihre Tochter neun Jahre alt war, meldete Maja Balik sie bei Mensa an. "Kinder werden bei uns ganz normal behandelt. Bei den regelmäßigen Meetings gibt es keinen eigenen Kindertisch - die Jüngsten sitzen mitten unter uns Oldies". Es sei wie ein großer Stammtisch, vergleicht Balik. "Meine Tochter schwärmte nach jedem Treffen, dass sie wieder so coole Eindrücke sammeln konnte.". Mit neuen Mensa-Aktivitäten hofft Balik, mehr Kinder anzusprechen. "Melden sich genügend Kinder bei Mensa an, ließe sich eine eigene Gruppe für hochbegabte Kinder gründen. An regelmäßig organisierten Treffen könnte auch ein Austausch von Eltern hochbegabter Kinder stattfindenden". Derzeit sind leider nur wenige Kinder Mitglied bei Mensa.

Zu viel des Guten

Wird bei Kindern die Diagnose "Hochintelligenz" gestellt, glauben sich stolze Eltern dazu verpflichtet, ihr Kind speziell zu fördern. Das kann zu enormem Leistungsdruck führen. Hochintelligente Kinder brauchen keine Zusatzaufgaben. "Eine Hausfrau, die ihren Haushalt flink erledigt, wünscht sich auch keine zusätzlichen Verpflichtungen, sondern freut sich über gewonnene Freizeit", vergleicht Balik und mahnt vor überzogenem Eltern-Ehrgeiz. "Meine Tochter hätte locker einige Schulstufen überspringen können. Das habe ich bewusst abgelehnt, weil ich es für wichtig hielt, dass sie mit Gleichaltrigen aufwächst". Man müsse, so Balik, den Kindern ihre Kindheit lassen.

Neugier aufrecht halten

Manche Eltern begehen den Fehler, ihren Sprösslingen die kindliche Neugier regelrecht abzugewöhnen. Der unbändige Wissensdurst der Kinder wird mit Sätzen wie "Dafür bist du noch zu klein" oder "Stell nicht so viele Fragen" im Keim erstickt. Peter Kemptner mahnt: "Jedes Kind hat das Recht, auf jede Frage eine Antwort zu erhalten, und sei sie auch "Das weiß ich nicht!". Wissbegierige Kinder müssen Zugang zu Informationsquellen bekommen, ohne sie in spezielle Richtungen zu drängen. Zum Beispiel mit einer Anmeldung in der Bücherei.

Fördern, aber Kind sein lassen

"Ich kenne Eltern, die stecken ihre Kinder in die teuersten Institute, damit diese etwas aus den Kleinen machen", kritisiert Balik. "Selbst sind sie aber unfähig, mit ihren eigenen Kindern vernünftige Gespräche zu führen!" Kommunikation sei ein einfaches Mittel, um Kinder zu fördern. Ob hochintelligent oder nicht: Am wichtigsten ist es, dem Kind nicht das Gefühl zu geben, nur etwas wert zu sein, wenn es Besonderes leistet. "Haben Sie Ihr Kind einfach lieb, so wie es ist", so Baliks Rat.

Mensa - der Verein für kluge Menschen

Mensa wurde 1946 in England gegründet. 1964 entstand Mensa-Österreich. Mittlerweile gibt es in allen Bundesländern aktive Lokalgruppen.

Aufnahmebedingung: IQ ab 130
Aktivitäten: Die Lokalgruppen organisieren Veranstaltungen für Mitglieder (z. B. Vorträge, Ausflüge,  Spieleabende)
Jahresbeitrag: Euro 22,- (Schüler bis 18 Jahre), Euro 33,- (Studenten bis 27 Jahre), Euro 44,- (Erwachsene), Euro 66,-(Familienbeitrag)
Info: www.mensa.at