Kind & Hund - Tipps für ein harmonisches Zusammenleben

Kind & Hund - Tipps für ein harmonisches Zusammenleben
Foto: Kind-Hund1©Grande-Kosmos / Author: Conny Sporrer


Ein Baby zieht ein

Leider gibt es noch immer vorherrschende Mythen zur Vorbereitung auf den Einzug des Babys. Das Mitbringen von Windeln aus dem Krankenhaus steht hier an erster Stelle. Eine Babywindel in das Hundekörbchen zu legen suggeriert aber dem Hund entweder "das gehört zukünftig mir" oder er entwickelt schon im Vorfeld eine Abneigung, denn  schließlich hat "es" ja in sein Körbchen markiert.

Kommt ein Baby in die Familie, ist es für den Hund gleichbedeutend mit einem Welpenwurf im Rudel. Er wird neugierig sein, die Rudelkollegin und Hundemutter würde ihn aber in der ersten Zeit nicht an die Kleinen heran lassen. Genauso sollte man es  mit dem eigenen Nachwuchs machen. Man sollte den Hund deutlich weg schicken, auch wenn er nur daran schnuppern möchte. Hat sich alles halbwegs normalisiert, kann man den Vierbeiner nach ein paar Tagen auch mal aktiv zu sich rufen und an dem Baby auf Ihrem Arm schnüffeln lassen. Den Kopfbereich des Babys sollte man aber immer aus hygienischen Gründen verbieten.

Grundsätzlich gilt es dem Hund so klar zu machen, dass er nicht mitverantwortlich für das Baby ist. Deshalb ist es wichtig dem Vierbeiner vom ersten Tag an zu Suggerieren, dass ausschließlich die Menschenfamilie für das Kind zuständig ist und er hier keine Aufgaben übernehmen muss. Dann steht einem harmonischen Zusammenleben nichts mehr im Wege. 

Ein Hund zieht ein

Ganz klar muss betont werden, dass die Hauptverantwortung für den Hund immer bei den Eltern liegt. Je nach Alter des Kindes können gewisse Aufgaben mit übernommen werden, aber unter Anleitung und Kontrolle der Eltern. Die Erwachsenen müssen die Erziehung und Pflege des Hundes übernehmen. Warum dies so sein muss? Hunde leben in einer eher hierarchischen Sozialstruktur, ähnlich wie auch wir in unseren Familien. Die Menschenfamilie als Rudel nimmt die Rollen der Sozialpartner des Hundes in der Natur ein. Hunde können am Geruch erkennen, ob Kinder schon geschlechtsreif, also ernst zu nehmend sind, und finden auch sofort heraus, wer in der Familie den Ton angibt. Im Normalfall sind dies die Eltern. Wollen nun also Kinder die Führung des Vierbeiners übernehmen, wird der Hund die Anweisungen des Kindes nicht befolgen. Dazu kommt, dass es im Hundealltag viele Situationen gibt, denen Kinder noch gar nicht gewachsen sind. 

Besonders wichtig ist darauf zu achten, dass Kinder den Hund beim Streicheln nicht bedrängen. Gerade Kinder können die Körpersprache des Hundes und etwaige Zeichen der Beschwichtigung, durch die der Hund sich entziehen möchte, nicht richtig lesen. Daher gilt es als wichtigste Aufgabe der Eltern hündische Körpersprache und Kommunikation perfekt zu beherrschen und zu verstehen. Hier ist es ratsam, nicht nur in Büchern zu lesen, sondern aktiv einmal ein Seminar zu besuchen, in welchem anhand von Videos oder Praxisbeispielen Hundekommunikation fachkundig erklärt wird. Natürlich sollte man auch den Kindern die wichtigsten Signale beibringen, letztendlich ist es aber immer Aufgabe der Eltern, Kind und Hund nicht alleine zu lassen und für beide Seiten Verantwortung zu übernehmen. 

Kommt es dann als letzter Ausdruck von Hilflosigkeit zu einem Abwehrschnappen des Vierbeiners, ist das Drama meistens groß. Und der Hund hat gelernt, dass dies wohl der einzige Weg ist, zu zeigen, dass er Abstand braucht und von seinen eigentlichen Haltern wohl auch kein Verständnis für seine Lage besteht. Auch aus Hundeerziehungssicht ist nämlich wichtig, dass der Hund von seinen "Erziehungsberechtigten" lernt: "Ich bin für dich da, du kannst mir immer vertrauen, wenn du in eine unangenehme Situation kommst."

Auch raue Spiele sollten verhindert werden. Wird dem Kind ein Spiel zu heftig, bricht es einfach ab. Weder der Vierbeiner noch das Kind sollten um Beute streiten müssen. Auch Jagdspiele, bei denen Kindern hinterhergerannt wird, sind absolut zu unterbinden. Aus solchen Spielen kann für Hunde schnell mal Ernst werden - Verletzungen können die Folge sein. 

Besonders sinnvoll ist es, gewisse Tabuzonen einzuführen, um so manch unterschiedliche Interessen von Hund und Kind auch wahren zu können. Denn das Leben als Mama oder Papa kann schon mal hektisch und chaotisch sein.
Folglich ist es umso wichtiger, die Dinge im Vorfeld so zu organisieren, dass man alles bestmöglich managen kann. Dazu gehört es auch dem Hund eine feste Liegestelle schmackhaft zu machen und diese mit einem Signal zu verknüpfen, sodass man ihn jederzeit dorthin schicken können und er auch dort bleibt. Später, wenn das Baby krabbelt, wird dies eine Erleichterung sein, weil man zumindest den Hund somit besser unter Kontrolle hat. Eine empfehlenswerte Möglichkeit ist es auch bereits im Vorhinein eine Hundebox zu etablieren. Es gibt hier schon nette Modelle aus Stoff, die nicht an einen Käfig erinnern und obendrein auch zusammenfaltbar sind. Man sollte den Hund schrittweise und positiv daran gewöhnen, so wird er die Box als willkommenen Rückzugsort nutzen. Gerade wenn es ihm später bei Kinderbesuchen und Co. zu laut wird, kann man die Box problemlos verschließen und somit ein Auge weniger auf den Hund haben. 
So sinnvoll wie die feste Liegestelle oder Box des Hundes als "Leo" zu etablieren, macht es auch Sinn das spätere Kinderzimmer von Anfang an zu tabuisieren. Erstmal soll der Hund dort nicht hinein, um nicht doch auf die Idee zu kommen, er müsste beim Baby schlafen und darauf aufpassen. Ferner ist es aber auch sinnvoll, weil Kinder dort dann hemmungslos spielen und Spielzeug auch mal herumliegen lassen können, ohne dass es für den Hund gefährlich wird oder er doch den Lieblingsteddy des Kindes schlachtet. Zwei Tabubereiche für die jeweiligen Interessen sind also absolut sinnvoll.


Die wichtigsten Verhaltensregeln im Überblick


Für den Hund:

  • Kinder nicht jagen
  • Kinder nicht anspringen
  • Nicht in das Kinderzimmer gehen 
  • Nicht körperlich werden 

Für das Kind: 

  • Hund nicht in die Augen starren 
  • Hund zu nichts zwingen
  • Nicht beim Fressen stören
  • Hund nicht jagen 
  • Keine Zieh- und Zerrspiele
  • Nicht über den Hund klettern
  • Hund nicht auf seinem Platz stören 


Die wichtigsten Stresssignale des Hundes im Überblick:

Zeigt ein Hund eines oder mehrere dieser Anzeichen, ist er gestresst und angespannt und möchte sich der Situation lieber entziehen. Ist eines dieser Signale erkennbar, sollte man einfach langsam weggehen, damit der Hund sich wieder entspannen kann.
 
  • Gähnen
    Dient dem Hund zur Selbstberuhigung. Hunde gähnen wenn sie hin und her gerissen sind, und sich in einer Situation nicht wohlfühlen.

  • Schütteln
    Häufiges Schütteln heißt meist nicht, dass der Hund sein Fell wieder in Form bringen will, sondern dass ihm der augenblickliche Zustand nicht gefällt. 

  • Kratzen
    Wenn Hunde sich in bestimmten Situationen immer wieder kratzen, fühlen sie sich in dem aktuellen Zustand nicht wohl. Sie wissen sich nur nicht anders zu helfen und zeigen deshalb diese sog. "Übersprungshandlung". Ähnlich wie wir Menschen, wenn wir unsicher sind und uns am Kopf kratzen.

  • Schnauze lecken
    Ein Hund der sich mehrmals über die Schnauze leckt hat entweder gerade gegessen oder zeigt sein Unbehagen in der aktuellen Lage. Wenn man einen Vierbeiner z.B. zu lange direkt und starr in die Augen blickt, wird dieser seinen Blick abwenden und über seine Schnauze lecken, um zu zeigen, dass er sich damit unwohl fühlt.

  • Abgewendeter Blick & Körper
    Dreht ein Hund seinen Kopf oder den ganzen Körper von euch weg, zeigt er, dass er im Moment lieber in Ruhe gelassen werden will. Man sollte ihm dann keinesfalls hinterherlaufen oder ihn zum Streicheln zwingen.

  • Blinzeln
    Hunde die unter starkem Stress stehen oder unsicher sind, blinzeln oder kneifen die Augen zusammen. Das zeigt deutlich, dass sie sich der Situation eigentlich entziehen wollen, es aber nicht können. Nicht auf den Kopf tätscheln, sondern den Hund in Ruhe lassen.

  • Hecheln
    Hechelt ein Hund durchgehend, kann das darauf hinweisen, dass er sich nicht wohl fühlt. Manche Hunde zeigen dabei auch die sog. "Stressfalte", eine deutlich sichtbare Falte hinter den Maulwinkeln. In diesem Zustand sollte der Vierbeiner nicht weiter gestreichelt oder bedrängt werden.
Um das Zusammenleben von Mensch und Hund zu verbessern gibt es ein vielfältiges Angebot an Trainings, Seminaren und Vorträgen.

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