Kinder auf das kommende Baby vorbereiten

Kinder auf das kommende Baby vorbereiten
Foto: © Bildagentur PantherMedia/Yaruta


Haben Sie sich immer einen großen Bruder oder eine kleine Schwester  gewünscht? Oder hatten Sie Geschwister und wissen das sehr zu schätzen? Es gibt viele gute Gründe über ein zweites Kind nachzudenken.


Trotz allem wird sich auch nach dem zweiten Kind einiges ändern, vieles geplant, manches aber auch unvorhergesehen. Wahrscheinlich erleben Sie die zweite Schwangerschaft bereits anders als die erste. Bedenken Sie, dass die benötigten Ruhepausen durch Ihr  erstgeborenes Kind vielleicht nur bedingt möglich sein werden.  Probieren Sie es trotzdem, möglicher Weise bei einem gemeinsamen Mittagsschlaf auf dem Sofa. Stellen Sie einen guten Haushaltsplan auf, in dem Sie die weiteren Anschaffungen, zusätzliche Betreuungskosten, eventuell höhere Mietkosten durch einen Umzug in eine größere Wohnung oder den Kauf eines größeren Autos einrechnen.  Mit einem weiteren Kind wird sich nicht nur Ihr Haushalt um eine Person vergrößern, sondern sich Dinge in einigen Bereichen vervielfältigen. Glücklicher Weise gilt das auch für die schönen Momente.

 

Bereiten Sie Ihr Kleinkind auf das Baby vor

Warten Sie nicht ab, bis das Baby da ist, sondern beginnen Sie bereits in der Schwangerschaft, Ihren Sohn/Ihre Tochter auf diese wichtige Veränderung vorzubereiten.  Sie werden sich wundern, wie viel  von den Erklärungen verstanden wird!

 

  • Erzählen Sie Ihrem Kind, dass ein Baby in Ihrem Bauch wächst, das bald zur Welt kommen wird. Aber machen Sie es nicht zu früh, außer Sie möchten jeden Tag gefragt werden, ob es denn heute so weit sei. Sobald der Bauch groß genug ist, ist die Erklärung für Ihr Kind besser verständlich.
  • Geben Sie Ihrem Kind keine Versprechen, die Sie nicht einhalten können, wie z.B., dass es bald einen Spielkameraden bekommt.  Bleiben Sie bei der Realität, dass das Neugeborene noch viel Hilfe brauchen wird.
  • Lassen Sie Ihr Kind bei den Vorbereitungen für das Baby mithelfen. Vielleicht möchte Ihr Kind zwischen zwei Dingen wie Z.B. Stramplern, entscheiden.
  • Kinderbücher zur Geburt  können bei Erklärungen behilflich sein, ebenso wie Bildbänder und Geschichten über das Leben mit einem Geschwisterchen.
  • Überlegen Sie die Anschaffung einer Puppe (sofern Ihr Kind nicht schon eine besitzt). So können Sie ihm zeigen, wie ein Baby gewickelt oder gewaschen wird.
  • Fördern Sie die Selbständigkeit Ihres Sohnes/Ihrer Tochter. Das kann Ihnen später hilfreich sein.
  • Vielleicht verträgt Ihr Kind eine Extraportion an Kuscheln, damit es sich sicher fühlt.
    Beziehen Sie Papa, Oma oder sonstige Bezugspersonen mehr in den Alltag ein (vorlesen, zu Bett bringen, etc.), damit sich Ihr Kind nach der Geburt nicht abgeschoben fühlt.
  • Sollten Sie Veränderungen planen, etwa einen Umzug in ein neues Zimmer oder der Kindergartenstart, dann versuchen Sie die Termine so zu planen, dass sie nicht mit dem Geburtstermin zusammen fallen, sonst könnte sich Ihr Kind vom Säugling vertrieben fühlen. Lassen Sie Ihrem Kind beim Erlernen der Tischmanieren Zeit oder verschieben Sie  das Töpfchentraining auf einen anderen Zeitpunkt. Wundern Sie sich nicht, wenn Ihr Kind Dinge, die es schon konnte für eine Weile wieder "verlernt"- das ist normal.
  • Organisieren Sie die Betreuung für die Zeit,  während Sie mit dem Baby im Spital sind. Erklären Sie Ihrem Kind so einfach als möglich, dass sie ein paar Tage nicht da sind, es von jemand anderem betreut wird, Sie aber so bald als möglich wieder kommen werden. So kann es sich schon einmal an den Gedanken gewöhnen. 
     

Wenn das Baby da ist - Eifersucht reduzieren

  • Ihr Kind sollte Sie im Krankenhaus besuchen dürfen, damit es sich von Beginn an als Teil der größer gewordenen Familie wahrnimmt. Halten Sie das Baby gemeinsam und machen Sie Fotos.
  • In vielen Familien bekommt das erstgeborene Kind ein kleines Geschenk vom Neugeborenen zur Geburt. Bitten Sie Besucher, sich zuerst mit dem größeren Kind zu beschäftigen eine Kleinigkeit für Ihr "großes" Kind mitzubringen, damit es sich nicht benachteiligt fühlt.
  • Lassen Sie Ihr Kleinkind bei der Pflege des Babys helfen. Es kann z.B. die Beine des Babys waschen, Windeln holen oder dem Säugling einen Schnuller geben. Bitten Sie es um z.B. Rat, welche Haube das Baby aufsetzten soll, zwingen Sie es jedoch nie zu helfen, wenn es das nicht möchte - sonst ernten Sie nur Ablehnung.
  • Haben Sie Verständnis, wenn Ihr Kind auf das Baby ärgerlich ist, weil es durch Weinen beim gemeinsamen Spielen oder Lesen unterbrochen wird. Erklären Sie ihm, dass es selbst auch so klein war und so sooft gefüttert und gewickelt werden musste. Sagen und zeigen sie ihm, dass  Sie es immer noch lieb haben, auch wenn das Neugeborene momentan so viel Zeit für sich beansprucht.
  • Zeigen Sie die Vorteile auf, die es mit sich bringt, schon größer und schlauer zu sein. Erklären Sie dem Kind  z.B., dass es mit Spielsachen spielen darf, für die das Baby noch zu klein ist oder denken Sie sich Tätigkeiten aus, die nur für "große" Kinder geeignet sind.  Lassen Sie Ihr Kind aber auch mal "kleiner" spielen als es tatsächlich ist.
  • Lassen Sie die Kinder nicht alleine, auch wenn Ihr Kind lieb mit dem kleinen Geschwisterchen umgeht. Kleinkinder können ihre Emotionen noch nicht kontrollieren. Aus Ärger könnte Ihr Kind das Baby schlagen oder mit Dingen bewerfen. Sollte etwas dergleichen passieren, machen Sie ihm klar, dass Sie so ein Verhalten nicht akzeptieren.
  • Vermeiden Sie Verbote im Zusammenhang mit dem Neugeborenen. Es braucht keine übertriebene Reinheit oder Stille.  Wird das größere Kind ständig aufgefordert ruhig zu sein, weil das Baby schläft, wird es irgendwann aggressiv auf das Baby reagieren.
  • Verbringen Sie so viel Zeit als möglich alleine mit ihrem Kleinkind, schließlich muss es jetzt Ihre Zeit und Aufmerksamkeit mit einem Wesen teilen, das einen erheblichen Teil davon einfordert. Wichtig sind tägliche, feste Zeiten, auf die sich Ihr großes Kind freuen kann, etwa das Vorlesen und Kuscheln vor dem zu Bett gehen.

 

Es wird Ihnen wahrscheinlich kaum gelingen, die Eifersucht ganz zu vermeiden. Schließlich verliert Ihr älteres Kind seine bisherige Sonderstellung, sobald das Baby da ist. Das Ausmaß hängt jedoch hauptsächlich vom Kind selbst, den "Vorbereitungen" und auch vom Alter ab. Wenn der Altersunterschied bis zu einem Jahr oder mindestens fünf Jahre beträgt, scheinen die Kinder noch am besten klar zu kommen. Die ganz Kleinen realisieren die Konkurrenz noch nicht wirklich, die Größeren sind schon ziemlich gefestigt und empfinden das Neugeborene weniger als Bedrohung.

 

Konflikte

Wenn Geschwister älter werden, tragen Sie Eifersucht, Neid oder Rivalität meist im Streit aus. Um die Aufmerksamkeit der Eltern auf sich zu ziehen, werfen sie sich Schimpfwörter an den Kopf, stoßen und kämpfen.  Sie versuchen herauszufinden, für wen Mama oder Papa Partei ergreifen. Auch bei größtem Einsatz werden Sie Konflikte nicht umgehen können. Hier ein paar Tipps, wie Sie Eifersucht verringern können und ein harmonisches  Zusammenleben der Kinder fördern.

 

  • Auch wenn Sie jedes Kind gleich lieb haben, behandeln sie die Kinder nicht gleich. Durch die unterschiedlichen Wesenszüge und verschiedenes Alter brauchen die Kinder eine individuelle Behandlung.
  • Auch das Maß an Aufmerksamkeit kann differieren. Fragen Sie sich zwischendurch wieder einmal, ob Sie den Bedürfnissen jedes Kindes gerecht werden, so gut es geht. Unterstreichen Sie die Stärken der Kinder ohne Vergleiche mit dem anderen und loben Sie sie dafür.
  • Sorgen Sie für Abwechslung. Oft steckt hinter einem Streit eine große Portion Langeweile.
    Fördern Sie das gemeinsame Spielen, zwingen Sie Ihren Kindern jedoch keine Gemeinsamkeiten auf, wenn sie dazu gerade keine Lust haben. Jedes Kind braucht seine Rückzugsmöglichkeit.
  • Legen Sie klare Regeln fest, was getan werden darf und was nicht, z.B. kein Treten, kein Zwicken, kein Schlagen. Zeigen Sie den Kindern auf, wie man Kompromisse finden kann.
  • Reagieren Sie nicht auf "petzen". Machen Sie Ihrem Kind bewusst, dass Sie es nicht akzeptieren, wenn es das andere Kind beschuldigt, verpetzt oder ihm Ärger machen will. Die Ausnahme besteht natürlich bei Gefahr!
  • Spielen Sie nicht den Schiedsrichter, versuchen Sie sich nicht in den "Kampf" hineinziehen zu lassen. Die Kinder sollen den Konflikt so weit es geht alleine lösen.  Ohne Ihr Einmischen gelingt das meist viel besser.



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