Kindersitze wachsen nicht

Kindersitze wachsen nicht
Foto: shutterstock/Dmitry Kalinovsky


Es ist ganz einfach gefährlicher Leichtsinn, wenn wir glauben, die Einmal-Investition in einen Kindersitz genügt. Nur die wenigsten Eltern wechseln zeitgerecht die Sicherheits-Einrichtungen für die Kleinsten in unseren Autos aus. NEW MOM hat Experten gefragt, welche Sitze für welche Altersgruppen taugen, wann man spätestens wechseln muss und ob sich gebrauchte Kindersitze wirklich auszahlen.


Und nur bei der dritten Frage gibt's eigentlich Einstimmigkeit.
Zum Beispiel die Einteilung der Kindersitze nach Altersgruppen und Zentimeter. Wir können einerseits Experten aus der Industrie glauben, die mittels Crash-Tests fast täglich die Probe aufs Exempel machen. Oder wir müssen uns dem Gesetzgeber beugen, der aus gutem Grund und mit bester Absicht Normen aufstellt. Zum Glück weichen die Aussagen nur in Detailfragen voneinander ab. Erstaunlicherweise sind aber manche Tatsachen und Vorsichtsmaßnahmen den Gesetzeshütern nach wie vor eher egal.

 

Altersgrenzen nicht immer sinnvoll

So haben die schwedischen Sicherheits-Fanatiker und -Traditionalisten bei Volvo ganz klare Richtlinien herausgegeben, nach denen sich Eltern und andere Fahrzeuglenker richten sollten, sind Kinder mit an Bord. Aber diese Regeln sich nicht unbedingt nach sturen Altersgrenzen aufgestellt.

 

Ein Neugeborenes sollte unbedingt in ein einem maßgerechten Sitz untergebracht sein. Wichtig dabei aber auch, dass man das Kleinstkind nicht zu lange aufrecht sitzen lässt. Das bedingt Fahrpausen, in denen das Baby flach liegend sich von den - auch für es erlebbaren - Strapazen der Reise erholen kann. Klingt logisch; und dennoch gibt’s dafür weder vom Gesetzgeber Vorschriften noch Vorschläge von Organisationen, wie dem Kuratorium für Verkehrssicherheit.

 

Auch beim zweiten Kindersitzgebot von Volvo herrscht von diesen beiden Seiten eher Stillschweigen: Ein Kleinkind bis zum Alter von drei oder vier Jahren ist am besten in einem gegen die Fahrtrichtung befestigten Kindersitz gesichert. Gegen die Fahrtrichtung deswegen, weil der Nacken in diesem Alter noch nicht so stabil ausgebildet ist, das vergleichsweise große Gewicht des Kopfes bei einer plötzlichen Beschleunigung (Aufprall) zu halten. Dagegen ist es laut Volvo-Experten relativ egal, ob die Beine des Kleinen vor der Sitzlehne genügend Platz haben; auch ein Abbiegen der Knie ist erlaubt. Nur: um aus dem Kleinen keinen zukünftigen Schlangenmenschen zu machen, sollte man halt auch in diesem Fall auf jeder Reise längere Pausen zur Generation der Gliedmaßen einplanen.

 

Ab wann sind Sitzpolster angebracht?

Älteren Kindern, welche nicht mehr in Sitze passen, die sich gegen die Fahrtrichtung montieren lassen, die aber noch kleiner als 140 Zentimeter und jünger als zehn Jahre alt sind, empfehlen die Experten und Forscher keine Sitze mehr sondern passende Sitzpolster. Selbstverständlich nicht jene von der heimatlichen Couch sondern solche aus dem Fachhandel. Mit Hilfe dieses Polsters passt dann meist der normale Erwachsenen-Gurt. Aber Vorsicht: der Kinderbauch ist in diesem Alter noch immer ein bisschen anders als jener der Erwachsenen gebaut. Deswegen sollte der untere Gurt so tief wie nur möglich geführt werden, auf alle Fälle nicht über den Bauch. Der obere Gurt gehört selbstverständlich fest angezogen. Und in Crash-Versuchen hat es sich herausgestellt, dass ein oft gefürchtetes Führen des Gurtbandes über den Hals keine negativen Auswirkungen auf die Kindersicherheit mit sich bringt. Dagegen unbedingt zu vermeiden: Dass der obere Gurt unter dem Arm oder hinter dem Rücken geführt wird.

 

Die österreichischen Gesetzgeber sehen das ein bisschen anders - allerdings an dessen Vorschriften müssen wir uns im alltäglichen Ernstfall halten. Und da steht geschrieben: Kinder bis 14 Jahre und kleiner als 1,50 Meter müssen mit einer dem Gewicht und der Größe entsprechenden Rückhalteeinrichtung geschützt werden; was ja keineswegs verwerflich ist. Wichtig in diesem Zusammenhang allerdings: Es dürfen nur Kindersitze mit dem Prüfzeichen ECE 44 03 oder ECE 44 04 verwendet werden. Das bedeutet auch, dass Rückhalteeinrichtungen, die nicht mindesten diesen Anforderungen entsprechen, nicht mehr verkauft werden dürfen. Darauf sollte man  unbedingt bei einem eventuellen Kauf eines gebrauchten Kindersitzes; Erbstücke aus dem Verwandten- oder Bekanntenkreis haben somit oft ausgedient.

 

Woran man Kindersicherheit erkennt

Ob ein nicht mehr neuwertiger Kindersitz diesen Bestimmungen entspricht, können Sie leicht in Erfahrung bringen, indem Sie den orangefarbenen Aufkleber, der sich auf jedem ECE-geprüften Sitz befindet, überprüfen - oder bei einem Autofahrerklub überprüfen lassen.
Die Frage nach dem richtigen Kindersitz kann man auch nach den alljährlich veröffentlichten Ergebnissen des ÖAMTC-Kindersitztests beantworten.


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