Welcher Lerntyp ist mein Kind?

Welcher Lerntyp ist mein Kind?
Foto: shutterstock/Pressmaster


Fabian und Florian sind Brüder und dennoch völlig verschieden, obwohl Susanne und ihr Mann Jürgen die beiden in gleicher Art und Weise gefördert und dasselbe mit ihnen gespielt haben. Fabian hat ein sehr gutes Raumwahrnehmungsgefühl und eine hohe Ausdauer beim Sandburgenbauen, Florian wiederum entgeht kein Geräusch aus seiner Umwelt und er kann sich sprachlich sehr gut ausdrücken.

Verschiedene Wahrnehmung

Sowohl Fabian als auch Florian haben ihre Vorlieben. Fabian lässt Florian gerne den Vortritt, wenn es darum geht, den Eltern zu vermitteln, dass sie bald wieder einmal in den Zoo gehen möchten. Oder dass sie dringend neue Farbstifte benötigen. Geht es hingegen darum das Ausmalbild für den Kindergarten schön zu gestalten, bekommt Fabian meist die doppelte Aufgabe, denn Florian weiß zu gut, dass er sich sonst keinen Sticker verdienen würde ...

Jedes Kind hat seine Stärken und Schwächen, die es zu entdecken und fördern gilt. Bereits im Vorschulalter zeigt sich meist eine gewisse Tendenz. Im Schulalter ist es von großer Bedeutung zu entdecken: Wie nimmt mein Kind seine Umwelt wahr? Mit welchen Hilfsmitteln lernt es leichter bzw. wie lernt es grundsätzlich?

 

Grundsätzlich werden drei Lerntypen unterschieden:

 

Der auditive Lerntyp:

Das Kind lernt am besten über das Hören. Auditive Lerntypen merken sich meist bereits aus dem Unterricht viele Details. Allerdings nur dann, wenn sie auch eine gute Aufmerksamkeit aufweisen! Soll sich das Kind etwas einprägen, ist es für diesen Lerntyp hilfreich den Lernstoff laut vorzulesen. Als Variante kann die Lerneinheit auch auf CD aufgenommen und dann immer wieder abgehört werden! So mancher Schüler lernt mit IPod im Ohr seine Englisch- oder Lateinvokabeln. Der auditive Lerntyp liebt es von anderen "abgefragt" zu werden und den Lernstoff mit Eltern oder Freunden zu besprechen!

 

Der visuelle Lerntyp:

Das Kind lernt am besten über das Sehen. Bildhafte Darstellungen, Tabellen, übersichtliche Arbeitsblätter und gut strukturierte Tafelbilder helfen diesem Lerntyp beim Einprägen des Unterrichtsstoffes. Visuellen Lernern hilft es, bunte Textmarker und Farbstifte zu benutzen um den Lernstoff damit besser einzuteilen. Somit erinnern sie sich an einzelne Fakten. Weiters sind Grafiken und Mindmaps eine gute Hilfe für Schüler, die über das Auge lernen! Videoclips und Tondiashows machen den Lernstoff anschaulicher und damit einprägsamer für visuelle Lerntypen. Diese Kinder lernen lieber alleine als mit anderen. Die meisten dieser Schüler lernen über das Lesen. Sie prägen sich ganze Buch- und Heftseiten ein. Oftmals am liebsten in ihrer eigenen Handschrift. Deswegen schreiben die Kinder den Lernstoff mehrmals ab, um ihn sich besser einzuprägen. Auch wenn diese Vorgangsweise für Eltern sinnlos erscheint, sollten Kinder, die diese Lernart bevorzugen, nicht daran gehindert werden. Es ist für sie der Weg zum Erfolg!

 

Der taktile Lerntyp:

Dieser Lerntyp hat es in der Schule am schwierigsten, da auf seine besonderen Bedürfnisse im großen Klassenverband (meist) am wenigsten Rücksicht genommen wird. Der taktile Lerntyp merkt sich den Stoff am besten, wenn er Dinge selber ausprobieren und anwenden darf! Er ist sozusagen ein Learning-by-doing-Typ! Den naturwissenschaftlichen Lehrplänen zu Folge, sollte das Experiment einen hohen Stellenwert im Unterricht einnehmen, in der Praxis findet der darstellende Unterricht aus verschiedenen Gründen eher selten statt. Taktile Lerntypen sollten versuchen sich möglichst viel Bewegung zu verschaffen. Das ist im Klassenverband allerdings nicht gut möglich. Um diesen Schülern entgegenzukommen, entwickeln Pädagogen immer mehr Ideen für den praktischen Unterricht, z.B. so genannte Laufdiktate. Dabei werden Textabschnitte auf einem Tisch im Klassenraum platziert. Der Schüler steht von seinem Sitzplatz auf, geht zu diesem Text, merkt sich eine Zeile und kehrt wieder auf seinen Platz zurück. Dort notiert er den Satz, den er sich "abgeholt" hat. Danach kommt der nächste Satz, usw. Taktile Lerntypen lieben diese Methode und wenden sie auch gerne zuhause beim Merken des Lernstoffes an. Taktile Lerntypen prägen sich ihren Lernstoff auch gerne mit der "Loci"-Methode ein. Dabei werden Klebezettel mit Formeln oder Vokabeln an verschiedenen Stellen des Zimmers befestigt. Der Schüler holt sich den Lernstoff dann beim Herumgehen ab und versucht ihn sich einzuprägen. Bausätze und Experimentierlehrkästen für zuhause sind für diese Kinder ebenfalls eine gute Investition!

 

Um erfolgreich und vor allem gerne zu lernen, sollte der für ein Kind optimale Lernweg intensiv genützt werden. Die Einteilung der Lerntypen spiegelt allerdings in erster Linie eine bevorzugte Richtung wider. Manche Kinder (und auch Erwachsene!) sind nicht ausschließlich auditive, optische oder taktile Typen, haben aber eine bestimmte Tendenz. Selbst bei eindeutiger Feststellung soll und darf der Betroffene auch auf andere Art und Weise lernen als es seinem Lerntyp entspricht.
Grundsätzlich gilt: Je mehr Lernwege genützt werden, umso besser prägt sich der Lernstoff ein! Lernt man allerdings in der persönlich passenden Art und Weise macht das Lernen mehr Freude und ist bereits dadurch erfolgreicher!


Weitere empfohlene Artikel: