Mütter: Burnout muss nicht sein!

Mütter: Burnout muss nicht sein!
Foto: PantherMedia/luna4 / Author: Roswitha Wurm


Die ständige Verfügbarkeit und die Mehrfachbelastung als Mutter, Partnerin, Köchin, Arbeitnehmerin, Krankenschwester, Pflegerin, Seelsorgerin, Chauffeurin und Verwalterin lassen immer mehr Mütter ausbrennen. Galt Burnout noch vor einigen Jahren als Managerkrankheit, zeigt sich mittlerweile: Gerade Frauen leiden darunter.

Alle beneiden Marlene H. um ihre beiden fröhlichen, begabten, stets hübsch gekleideten Kinder. Die Wohnung ist immer perfekt aufgeräumt, das Essen bereitet die 29-Jährige aus frischen biologischen Zutaten. Abends, wenn ihr Mann von der Arbeit heimkommt, kocht sie ein zweites Mal. Und ja, nicht zu vergessen: Marlene arbeitet auch noch halbtags in einer Bankfiliale. Alles ist einfach perfekt. Wären da nicht die unendliche Müdigkeit und Erschöpfung, die Marlene seit Kurzem immer häufiger überfallen. In der Früh kann sie nur mehr mit Mühe aufstehen. Dennoch plagt sie sich Morgen für Morgen aus dem Bett. Sie muss einfach funktionieren ...

Bei ihren Klientinnen sei gerade das Gefühl der permanenten Überforderung häufig der Grund für eine Kontaktaufnahme, so Gesundheitspsychologin Mag. Johanna Hübner: "Speziell junge Frauen, die das erste Mal Mutter werden, stehen vor einer kompletten Neuorientierung. Zudem fordert die Baby- und Kleinkindphase viel Energie. Häufi g kommt aufgrund der durchwachten oder zumindest verkürzten Nächte ein Schlafdefizit hinzu. Meist bleibt nur wenig Zeit für eigene Grundbedürfnisse wie eine in Ruhe genossene Mahlzeit, die gewohnte Zeit im Badezimmer oder ein notwendiges Schläfchen. Dass Frauen sich in dieser Lebensphase erschöpft fühlen, passiert relativ schnell."


AUSGEBRANNT


Allerdings ist nicht jeder Erschöpfungszustand ein Burnout im klassischen Sinn. "Ausbrennen kann man nur, wenn man für etwas vorher gebrannt hat", erklärt Johanna Hübner.
Perfektionistinnen wie Marlene H. neigen eher zu einem Burnout. Wie sie nehmen viele junge Frauen unbewusst Leistungsgedanken aus ihrer beruflichen Vergangenheit mit. Sie bereiten sich akribisch mit Literatur und Vorträgen auf die Kinderzeit vor.

Leider läuft dann nicht immer alles mit dem eigenen Kind so ab, wie es die Ratgeber empfehlen. "Verständlicherweise verunsichert und stresst dies New Moms. Jedes Kind entwickelt sich individuell, bestimmt sein eigenes Tempo, und Haushalt und Kind sind eine unendliche Geschichte", weiß die erfahrene Psychologin. "Es ist nicht mit einem Projekt vergleichbar, das irgendwann abgeschlossen ist. Gerade junge Mütter dürfen die Hausarbeit auch einmal liegen lassen. Nach einem anstrengenden Tag mit Kleinkind sollen es sich junge Eltern einfach mal erlauben, sich gemeinsam aufs Sofa zu kuscheln und den Tag in trauter Zweisamkeit ausklingen zu lassen, auch wenn das ungewaschene Geschirr noch in der Küche steht."

Neben dieser simplen, wenngleich sehr effektiven Burnout-Prophylaxe hat Mag. Hübner noch einen Tipp für alle New Moms: "Hilfe anzunehmen ist in dieser Lebensphase nicht nur erlaubt, sondern manchmal einfach überlebensnotwendig. Das kann eine Putzkraft sein oder die Oma, die das Enkerl für zwei Stunden abnimmt, damit die junge Mutter in Ruhe duschen oder etwas Wichtiges erledigen kann. Auch der Vater des Kindes darf und möchte meist auch einbezogen werden - nicht zuletzt, um die Vater-Kind- Beziehung zu fördern. Manche junge Mütter glauben, alles alleine machen zu müssen. Sie sollten bedenken: Hilfsangebote anzunehmen ist ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche. Denn es zeigt: Ich mache mir Gedanken, welche Unterstützung ich gerade benötige, um für mein Kind bestmöglich da und für meine Aufgaben als Mutter gerüstet zu sein."


EIGENE BEDÜRFNISSE NICHT VERGESSEN


In Beratungsgesprächen trifft die engagierte Psychologin immer wieder auf Mütter, die meinen, ihre eigenen Bedürfnisse seien in dieser Phase nebensächlich. Diese Einstellung birgt die größte Gefahr auszubrennen. Beinahe ebenso gefährlich ist es, in die Perfektionsfalle zu tappen, weil man nicht zugeben möchte, dass die eigene Belastbarkeit Grenzen hat. Diesem Trugschluss sind Mütter aller Generationen erlegen und daran manchmal auch zerbrochen. Knapp vor dem Zusammenbruch kochen sie lieber eine perfekte Mahlzeit aus frischen Zutaten, als einmal zu einem Fertigmenü zu greifen. Sie putzen alles blitzblank und organisieren die tollsten Familienfeste, obwohl bereits der Gedanke daran das Gefühl der Erschöpfung in ihnen auslöst. Hauptsache, sie haben die Bewunderung aller auf ihrer Seite!

Psychologin Johanna Hübner möchte daher allen jungen Mütter etwas mit auf den Weg geben: "Es gibt gute Ratgeberbücher über das Leben als Mutter. Auch die Erfahrungen anderer Frauen können hilfreich sein. Letztlich liegt das Geheimnis aber darin, sich als Mutter auch auf die eigenen Gefühle und die Intuition zu verlassen. Jede Familie besteht aus Individuen mit ganz speziellen Bedürfnissen. Die beste Vorbeugung für ein Burnout ist es daher, auf das eigene Herz zu hören statt allen Erwartungen entsprechen zu wollen!"

Nur so sei es möglich, der Erschöpfungsfalle zu entkommen. Denn anstrengend sind die Kleinkinderjahre in jedem Fall - ebenso aber auch wunderschön. Dies sollten New Moms nie aus den Augen verlieren und sich erlauben, diese schönen Momente ganz besonders zu genießen. Denn zufriedene Mütter unterliegen viel weniger der Gefahr auszubrennen. Das macht die Kinder ausgeglichener, was sich wiederum auf die Gelassenheit und das Selbstvertrauen der Mütter überträgt. So dreht sich die Spirale unaufhörlich nach oben ... womit Burnout erst gar nicht entstehen kann.


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