Zurück in den Job

Zurück in den Job
Foto: shutterstock/Photographee.eu / Author: Roswitha Wurm


Für viele Frauen ist der Wiedereinstieg nach der Babypause mit zahllosen Fragen verbunden. Trotz Jahrzehnten der Genderdiskussion kämpfen Mütter nach wie vor meist mit der Mehrfachbelastung von Job, Familie und Haushalt. Grund genug, sich auf die Suche nach einem familienfreundlichen Arbeitsmodell zu machen, bei dem niemand auf der Strecke bleibt!

Endlich hat sich Karina, 28, gewöhnt: an die manchmal endlos scheinenden Tage zu Hause, an die Wäscheberge, die fehlenden Gespräche, aber auch an die wirklich tolle Zeit mit ihrer kleinen Tochter Nina. Nun aber heißt es zurück in den Berufsalltag. Obwohl Karina in den vergangenen zweieinhalb Jahren öfters geseufzt hat: "Endlich möchte ich wieder zu den Außer-Haus-Beschäftigten gehören!", will sich die  Vorfreude darauf aber noch nicht so recht einstellen …

Fragen über Fragen

Wie für Karina ist der Wiedereinstieg ins Berufsleben nach der Babypause auch für die meisten anderen Mütter mit vielen Fragen verbunden: Wer beaufsichtigt mein Kind? Wird es gut betreut? Wie ist das Essen in der Kindertagesstätte? Schaffe ich den Anschluss im Beruf?

Möchte ich wirklich zurück an meine Arbeitsstelle? Soll ich eine Umschulung machen? Finde ich einen Teilzeitjob oder eine Tätigkeit mit familienfreundlicheren Arbeitszeiten? Werde ich Job, Familie und Haushalt unter einen Hut bringen, ohne selbst dabei zu kurz zu kommen?

Wiedereinstieg, die Erste

Manche Frauen erleben diese Phase sogar zwei Mal. So wie Marianne Weihrauch. Die gebürtige Kärntnerin war Anfang 20, als sich eine Tochter und ein Sohn einstellten. Um gemeinsam mit ihrem Mann ein Nest für die junge Familie zu schaffen, musste Marianne bereits nach dem ersten Lebensjahr des zweiten Kindes zurück in ihren Beruf als Erzieherin in einer Wohngemeinschaft für sozial benachteiligte Kinder. Bald schon zeigten sich Probleme: Infolge des erforderlichen Schicht- und Wochenenddienstes kam Marianne an ihre Grenzen. Vor allem ihr kleiner Sohn litt sehr unter den häufigen und vor allem unregelmäßigen Trennungen von seiner Mama.

Mit zunehmendem Alter verstärkte sich das sogar, obwohl er während der Dienstzeiten seiner Mama zunächst von einer Leihoma, später von einer Tagesmutter und an den Wochenenden sowie abends von seinem Vater liebevoll und auch meist gemeinsam mit seiner älteren Schwester betreut wurde. Als er dann als Zweieinhalbjähriger in den Kindergarten kam, entschloss sich Frau Weihrauch zu einer Umschulung. Ich ging zum Arbeitsmarktservice und erklärte: "Ich benötige eine Umschulung für einen Job mit regelmäßigen Dienstzeiten!" Nach längeren Gesprächen wurde diese klare Forderung mit einem vom AMS bezahlten Umschulungskurs zur Büroangestellten belohnt.

"Ein Schreibtischjob war nie mein Ziel, im Gegenteil", resümiert Marianne Weihrauch heute, "aber ich wusste: Das war für mich die einzige Möglichkeit für einen halbwegs familientauglichen Job!" Und sie betont: "Gerade beim Wiedereinstieg ist es wichtig, genau zu überlegen, welches Anforderungsprofil man selbst an seinen Arbeitsplatz stellt. Wer beim AMS seine Wünsche nicht klar formuliert, wird meist irgendeinem beliebigen Kurs zugeteilt, der nicht den Interessen oder Wünschen entspricht!"

Noch einmal Nachwuchs

Nach erfolgter Umschulung arbeitete sich Frau Weihrauch im Laufe der Jahre von der Allroundsekretärin über die Marketingassistenz bis hin zur Assistentin der Geschäftsführung hoch. Die Kinder wurden in Schule und Hort betreut, sie selbst erlebte diese Jahre "unter Druck und stressig". Immer stärker reifte in ihr der Gedanke an eine berufliche Veränderung heran. Für die kreative, lebhafte Frau bedeutete dies "back to the roots", sprich: zu einem sozialen Beruf. Schließlich stellte sich in dieser Lebensphase eine Überraschung ein, mit der niemand gerechnet hatte: Marianne, zu diesem Zeitpunkt 42 Jahre alt, wurde wieder schwanger!

In langwierigen, hartnäckigen Diskussionen mit AMS und waff (Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds) entschied sie sich während der Schwangerschaft für eine Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin. Sie bekam diese teilweise gefördert, teilweise verwendete sie ihre Abfertigung dafür.

Wiedereinstieg, die Zweite

Die Karenzzeit nach der Geburt ihrer Tochter nützte Marianne Weihrauch zur Ausbildung. Diese fand an Wochenenden statt. Wenn Sarah zu stillen war, brachte ihr Papa sie in den Kurs. Im Anschluss an diesen bewarb sich Marianne für das Selbständigenförderprogramm und betreut seither als Lebens- und Sozialberaterin Klienten in einem in ihrer Wohnung eigens dafür eingerichteten Raum. Sarah wurde zunächst stundenweise von einer Tagesmutter, später im Kindergarten betreut.

Vor wenigen Wochen begann eine neue "Wiedereinstiegsphase"… nein, keine weitere Schwangerschaft, sondern ein neuer Abschnitt im Leben der Familie: Sarah besucht nun die Volksschule! Zeit auch für Marianne, einen neuen Schritt in Sachen Wiedereinstieg zu gehen: Sie nahm eine Teilzeitanstellung als Lebens- und Sozialberaterin in einem Pflegeheim an.

Familienfreundliche Arbeitsmodelle

Mariannes Lebensmodell als Wiedereinsteigerin nach den Geburten ihrer Kinder ist symptomatisch: Nachwuchs verändert das Leben einer Frau nachhaltig. Nichts ist mehr so, wie es war. Alle Entscheidungen beeinflussen und prägen auch das Leben der Kinder. Und: Trotz Genderdiskussion bleibt die Mehrfachbelastung der Mütter zumeist bestehen … unerwähnt und ohne Chance auf Lösung. Daher rät Marianne Weihrauch – sowohl als Mutter als auch als Lebens- und Sozialberaterin – allen Wiedereinsteigerinnen, niemals auf die eigenen Bedürfnisse zu vergessen.

Dass die Rückkehr in den Beruf Abstriche für die ganze Familie, für Kinder, Partner und auch für die Frau selbst, bedeutet, musste auch Karina erfahren, die mittlerweile zu ihrer Tätigkeit als Zahnarztassistentin zurückgekehrt ist. Nun aber in Teilzeit mit weniger Gehalt, und auch nicht mehr auf der Zahnklinik: So bleiben genügend Zeit und Kraft für Spielplatzbesuche und Kuscheleinheiten mit Tochter Nina.

Frau Weihrauch kann diese Entscheidung nur begrüßen: "Die finanzielle Einbuße trifft zwar hart, aber soweit dies möglich ist, empfehle ich allen Müttern, familienfreundlichere Arbeitsmodelle zu suchen. Das ist in vielen Berufen schwer möglich. Aber darum kämpfen sollte jede Frau – für das eigene Kind, für den Partner und last but not least für sich selbst!".