Steuerausgleich - Tipps für Familien

Steuerausgleich - Tipps für Familien
Foto: PantherMedia/mdworschak / Author: Dr. Alfred Trendl


Mehr Geld für die Familie - So holen Sie die Steuer zurück!


Viel zu wenige Familien führen eine jährliche Arbeitnehmer-Veranlagung durch ... und schenken dem Staat damit viel Geld. Gerade für Familien ist einiges zu holen. Steuerberater Dr. Alfred Trendl hat die wichtigsten Tipps gesammelt.

Wer Kinder hat, verwendet sein Einkommen nicht alleine für sich, sondern eben für die gesamte Familie. Da in Österreich die Lohnsteuer nach der "Leistungsfähigkeit" berechnet wird, hat der Gesetzgeber einen Anspruch (!) auf steuerlichen Ausgleich zwischen Familien und Haushalten ohne Kinder geschaffen.

Neben der Familienbeihilfe, die direkt ausgezahlt wird, betrifft er eine Reihe von steuerlichen Möglichkeiten. Diese sind zwar im internationalen Vergleich niedrig, aber besser als nichts!

"ARBEITNEHMER-VERANLAGUNG" MACHEN UND GELD KASSIEREN


Die meisten dieser Steuerermäßigungen müssen gesondert beantragt werden, mittels Arbeitnehmer-Veranlagung, auch "Jahresausgleich" genannt. Dieser kann bis zu fünf Jahre rückwirkend gemacht werden, das bedeutet: Bei einer Antragstellung im Jahr 2018 lässt sich die Arbeitnehmer-Veranlagung zurück bis 2013 beim Finanzamt einreichen.

Die notwendigen Zusatzformulare dazu heißen "L1" und "L1k" für jedes Kind und sind im Internet leicht auffindbar (www.bmf.gv.at). Man kann beim Finanzamt auch einen Onlinezugang beantragen. Wird die Arbeitnehmer-Veranlagung online durchgeführt, kann man sogar den Betrag vorberechnen.


WER IST EIN "KIND IM SINN DES STEUERRECHTS"?


Familien können Beträge für Kinder nur dann absetzen, wenn für das Kind Familienbeihilfe bezogen wird - und das zumindest für sieben Monate im betreffenden Jahr. Ist also zum Beispiel ein Kind im zweiten Halbjahr geboren, lassen sich im Jahr der Geburt die Steuerermäßigungen nicht in Anspruch nehmen. Ohne Familienbeihilfe gelten die Kinder nicht als "Kinder im Sinn des Steuerrechts"!

ALLEINVERDIENER- UND ALLEINERZIEHERABSETZBETRAG


Bares Geld
bringen der Alleinverdiener- und der Alleinerzieherabsetzbetrag.

  • Als Alleinverdiener bzw. Alleinverdienerin gilt, wer mit seinem Kind oder Kindern im Haushalt lebt, wessen (Ehe-)Partner kein Einkommen hat oder maximal 6.000 Euro im Jahr verdient.
    Um den Alleinverdienerabsetzbetrag zu beantragen, genügt ein kleines x im Formular und die Angabe der Anzahl der Kinder. Das bringt bei einem Kind 494 Euro, bei zwei Kindern 669 Euro und für jedes weitere Kind zusätzlich 220 Euro. Macht man die Dienstnehmerveranlagung für mehrere Jahre, können so tausende Euro Steuerrückerstattung lukriert werden!

  • Der Alleinerzieherabsetzbetrag ist gleich hoch. Dafür muss man im betreffenden Jahr mit zumindest einem Kind und ohne Partner bzw. Partnerin gewohnt haben.

Gut zu wissen: Anders als bei den "Freibeträgen" bedeuten diese Absetzbeträge schon echtes Geld. Sie reduzieren also nicht nur die Bemessungsgrundlage der Steuer, sondern die Steuer selbst.
Diese Absetzbeträge kann übrigens auch beantragen, wer überhaupt keine Steuer bezahlt hat, aber mit den Kindern lebt - beispielsweise Studenten. Hatte man gar kein Einkommen, aber Kinder (im Sinn des Steuerrechts), füllt man das Formular L1 aus und erhält die angeführten Beträge vom Finanzamt vergütet.

KINDERBETREUUNGSKOSTEN ABSETZEN!


Für Kinder bis zum 10. Lebensjahr fallen häufig Kinderbetreuungskosten an. Dazu zählen Kosten für Kinderkrippe und Kindergarten, Hort, Ganztagsschule, Ferienbetreuung, Urlaubsfahrten - etwa mit Pfadfindern oder Jungschar -, aber auch Sport und Musik. Voraussetzung ist allerdings, dass die Betreuung in pädagogischen Einrichtungen und/ oder durch Pädagogen erfolgt. Im Einzelfall muss zumindest ein 35-stündiger Ausbildungskurs nachgewiesen werden. Ist das der Fall, lässt sich pro Kind und Jahr ein Betrag von bis zu 2.300 Euro von jenem Elternteil beantragen, auf den die Rechnung lautet, der den Betrag also bezahlt hat. Letzterer kann auch auf die Eltern/Erziehungsberechtigten aufgeteilt werden.

Nun geht Steuerberater Dr. Alfred Trendl noch weiter ins Detail...


JE MEHR KINDER, DESTO WENIGER STEUERN

Für jedes Kind, für das Familienbeihilfe bezogen wird, kann man im Formular "L1k" einen Kinderfreibetrag beantragen. Wichtig: pro Kind jeweils ein eigenes Formular ausfüllen!
Machen beide Elternteile den Kinderfreibetrag geltend, beträgt er pro Elternteil 300 Euro; nützt ihn nur einer der beiden und ist das Kind haushaltszugehörig, sind es 440 Euro.
Mit dem gleichen Formular können noch weitere Begünstigungen lukriert werden: Wer mit dem Nachwuchs nicht im gemeinsamen Haushalt lebt, aber Unterhalt für ihn leistet, profitiert vom Unterhaltsabsetzbetrag: Für zwei Kinder sind das beispielsweise 73 Euro pro Monat. Bei drei oder mehr Kindern, für die Familienbeihilfe bezogen wird, kann man - so das Familieneinkommen (Summe der Einkommen beider Eltern) 55.000 Euro im Jahr nicht übersteigt - den Mehrkindzuschlag beantragen: Er liegt bei 20 Euro pro Monat für das dritte und jedes weitere Kind. Entweder gleich bei der Arbeitnehmerveranlagung ankreuzen oder, wenn man's vergessen hat, nachträglich bis zu fünf Jahren mit dem Formular "E4" beantragen. Bei vier Kindern kommen so 720 Euro pro Jahr an steuerlicher Entlastung zusammen.


BESONDERE KINDER - BESONDERE STEUERENTLASTUNGEN

Bei Kindern mit einer Behinderung ist der Staat großzügiger: Im Falle einer mindestens 25- bis 49-prozentigen Behinderung können die tatsächlich entstandenen Kosten - von Beiträgen für Sonderschule über Sonderhilfsmittel (z. B. einen Rollstuhl) bis zu den Kosten der Heilbehandlung - sowie ein kleiner pauschaler Freibetrag abgesetzt werden.
Ab einer 50-prozentigen Behinderung steht erhöhte Familienbeihilfe zu, ohne Pflegegeldbezug ein monatlicher steuerlicher Pauschbetrag von 262 Euro. Bezieht man für das Kind mit Behinderung Pflegegeld, wird der Pauschbetrag in diesem Ausmaß gekürzt. Zusätzlich lassen sich das Schulgeld für die Sonderschule oder Werkstätte, Sonderhilfsmittel (auch Umgestaltung der Wohnung) und Kosten der Heilbehandlung (z. B. Arzthonorare) gesondert steuerlich geltend machen. Da hier viele Details eine Rolle spielen, am besten beim Finanzamt nachfragen oder E-Mail an steuerinfo@familie.at richten.


BELASTUNGEN DURCH AUSBILDUNG UND ARBEIT

Absolviert ein (größeres) Kind seine Berufsausbildung oder Schule mehr als 80 Kilometer vom Elternhaus entfernt und ist im Einzugsbereich des Wohnsitzes keine vergleichbare Ausbildung möglich, kann ein Freibetrag von 110 Euro pro Monat beantragt werden. (Besteht Internatspflicht, z. B. bei Berufsschulen, genügen 25 Kilometer Distanz.) Dies gilt auch, wenn ein Auslandssemester oder ein ganzes Jahr an einer ausländischen Schule verbracht wird.
Ein Hinweis zur Familienbeihilfe für studierende Kinder: Weisen sie Erfolge nach, können für sie bis zum 24. Lebensjahr (manchmal auch ein Jahr länger) ebenfalls Familienbeihilfe und steuerliche Entlastungen beantragt werden. Allerdings dürfen die Kinder selbst nicht mehr als 10.000 Euro im Jahr verdienen.
Apropos: Benötigt ein Elternteil aus beruflichen Gründen einen zweiten Wohnsitz - etwa, wenn die tägliche Heimkehr nicht zumutbar ist -, können die Kosten dafür unter bestimmten Voraussetzungen beim Finanzamt als "erhöhte Werbungskosten" eingereicht werden.


WENN DER BOSS DIE KINDERBETREUUNG BEZAHLT ...

Der Fiskus unterstützt Unternehmen, die sich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzen. So können Arbeitgeber für den Nachwuchs ihrer Mitarbeiter bis zum 10. Lebensjahr die Betreuungskosten (Kindergarten, Nachmittagsbetreuung, Tagesmutter etc.) von jährlich bis zu 1.000 Euro steuer- und lohnnebenkostenfrei übernehmen. Allerdings muss die Zahlung direkt an die Kinderbetreuungseinrichtung erfolgen und das Angebot an alle betroffenen Mitarbeiter ergehen.
Näheres dazu im Formular "L35"!


GELD SPAREN LEICHT GEMACHT!

Wichtig: Wer Kosten absetzen will, muss diese auch selbst bezahlt haben. Seine Steuerangelegenheiten kann man heute übrigens schon ganz bequem über finanzonline erledigen. Einzureichen sind die Steuerformulare beim Wohnsitzfinanzamt.
Auch beim Steuersparen gilt: Mit der Übung wird es immer leichter. Nach der zweiten oder dritten Arbeitnehmerveranlagung sind Sie bestimmt ein echter Steuer-Profi!

DR. ALFRED TRENDL ist Steuerberater und leitet den katholischen Familienverband (www.familie.at). Dieser gibt Gratisauskünfte in Familien-Steuerfragen unter: steuerinfo@familie.at. Alle Angaben ohne Gewähr!

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